Take it easy

Gerade die vermeintlich leichtesten Werke sind vielleicht die tiefsten.
(Florian Maderspacher)

Heute nachmittag schlagartig und geradezu offenbarungsmäßig erkannt, was an meinem Beethovenprojekt falsch läuft, was mein allererster und schwerwiegendster Fehler war: Die Titel! Mich langweilt es ja selber schon in den Tod hinein, immer wieder hinzutippen: Beethoven, Komma, dann eine Opuszahl, die sich kein Mensch merken kann, Komma, und dann noch eine Tonart, die keinen interessiert. Aber es ist ja nie zu spät, einen einmal erkannten Fehler zu revidieren, das sagt bestimmt Paulo Coelho auch, also ab jetzt andere, selbstausgedachte Titel, die vorigen werde ich auch noch ändern, denke ich.

Heute also die zwei Sonaten op. 49, g-Moll und G-Dur. Ich glaube, man begeht kein schwerwiegendes Verbrechen, wenn man diese beiden Werke in einem Text zusammen abhandelt. Eigentlich nur zufällig drängen sie sich hier ja rein, geschrieben hat Beethoven sie viel früher, um 1792 herum, aber dann erst später veröffentlicht, daher die relativ hohe Opuszahl. Vielleicht holte er sie deswegen später wieder aus der Schublade, weil er dachte, auch mal wieder eine Klaviersonate veröffentlichen zu müssen, immerhin 17 Opuszahlen liegen ja zwischen op. 31 und den beiden Leichten Sonaten op. 49, soviel Abstand war vorher noch nie zwischen zwei Klaviersonaten. Was mir Anlass gab, überhaupt mal wieder zu schauen, wo wir uns in Beethovens Gesamtschaffen gerade befinden. Opus 36: Zweite Symphonie. Opus 37: Drittes Klavierkonzert. Opus 40: Die vielgescholtene Violinromanze, die im Orchester zu begleiten ich einmal die Ehre hatte, mit dem Mayr Karl an der Geige, ich sehe ihn noch schwitzen im Rampenlicht des Ammergauer Hauses, aber dann spielte er das ganz und gar wundervoll, der Mayr Karl war wirklich ein fantastischer Geiger, über ihn muss ich vielleicht nochmal gesondert schreiben, um dem Mann und seinem Geigenspiel ein Denkmal zu setzen. Opus 47: Kreutzersonate. Also im Grunde immer noch vor den ganz großen Beethovenhämmern, noch vor der Eroica, vor der Fünften, das überraschte mich jetzt selbst, muss ich ehrlich sagen.

Die beiden Leichten Sonaten op. 49 sind sicher nicht die tiefsten Werke, oder vielleicht doch und es weiß bloß keiner. Was heißt überhaupt „leicht“? Ich erinnere mich gut an einen Abend mit meinem Vater, wir saßen so ganz nett beim Bier und er war grade am Lästern über Alfred Brendel, ein Pianist, den er wohl nicht so sehr mochte, und irgendwie kamen wir von Brendel auf die Klaviersonaten Schuberts, und da zog er das Gesicht so ganz eigentümlich nach unten, ich sehe ihn noch, und sagte ganz gedehnt und bedeutungsvoll: „Schwer.“ Mit ganz langem Eee, das fast schon in Richtung Äää abglitt. Ich hatte damals gerade Schuberts B-Dur-Sonate für mich entdeckt und dachte: Schwer? Was soll daran schwer sein? Er meinte aber natürlich: Schwer zu spielen, redete als Klavierspieler, während ich als reiner Hörer redete und dachte.

Daran erinnerte ich mich heute wieder, als ich mich ans Klavier setzte, um die angeblich so leichte Sonate in g-moll mal eben vom Blatt runter zu spielen, weil alle sagen und schreiben, die sei doch so leicht, geeignet für Dilettanten und Klavierschüler, und fingerte mich auch so irgendwie durchs Andante, aber dann gab ich erschöpft auf und ließ Pollini weiterspielen. Der kann das wirklich besser, und bei ihm klingt es wirklich leicht und federt so weg, was unter meinen Fingern zur bleiernen Krampfigkeit gerinnt.

Aber gut, es war ein erster Versuch, ich sollte die Sonate vielleicht einfach weiter üben, überhaupt wieder viel mehr Klavier üben, anstatt immer bloß darüber zu schreiben und immer nur die Laptoptasten kaputtzuhauen, während das Klavier vor sich hin schläft. Ich finde das eigentlich sehr nett vom Beethoven, dass er für uns ewig dilettierende Klavierschüler auch ein paar Stücke geschrieben hat.

Advertisements

4 Kommentare zu “Take it easy

  1. Du magst ja keine Kommentare, aber lass mich Dir sagen, daß mich der feine Humor in diesem Beitrag hat schmunzeln lassen.
    Gib uns Bescheid, wenn Du die anderen Beiträge umbenannt hast, damit ich nicht jeden Tag nachsehen muss, bin nämlich gespannt auf Deine Titelwahl.
    Liebe Grüße!

    • Das freut mich, und ich habs ja zum Zeilentiger schon mal gesagt, dass meine angebliche Kommentarphobie in Wirklichkeit gar nicht so schlimm ist, wie ich manchmal übertreibend vorgebe. Also bloß keine falsche Scheu vorm Kommentieren!

      Wenn ich die Texte umbenannt habe, sage ich Bescheid. Vielleicht dauert es ein Weilchen, dazu müsste ich den ganzen Kram ja selber nochmal lesen…

      • Früher, als ich noch woanders gebloggt hatte, mochte ich auch keine Kommentare, was an dem rüden Umgangston lag. Seitdem ich bei WordPress blogge, freue ich mich über die Gedanken anderer, weil es hier freundlich und konstruktiv zugeht. Vielleicht erging es Dir ja ähnlich.

      • Hm, ich hab von Anfang an bei WordPress gebloggt, mein Problem liegt also scheinbar noch woanders, aber lassen wir das Thema lieber, ich bereue es eh schon, dass ich das so thematisiert habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s