Beethoven, op. 18

Hörte heute beim Kochen die sechs Streichquartette op.18, hauptsächlich wegen Adorno, der sie mehrfach als quasi magischen Übergang in Beethovens Werk markiert. Ab da sei bei Beethoven praktisch alles auf einem Höchstniveau, das in der deutschen Literatur nur Goethe in ganz wenigen Momenten erreiche und sonst überhaupt niemand. Und da wir jetzt bei den Klaviersonaten von op. 14/2 zu op. 22 diese magische Grenze überspringen, dachte ich, es sei vielleicht angeraten, sich diese Hürde nochmal kurz anzuschauen.

Auch hier wieder ein absolut erstes Hören, was verrückt ist, wenn ich bedenke, wieviel Zeit ich schon gehabt hätte, diese Quartette mal zu hören. Ich erinnere mich noch ganz deutlich, wie ich mir in einer lang vergangenen, fast märchenhaft entrückten Zeit, als es den Laden Zweitausendeins und die Stadt München noch gab, im Zweitausendeinsladen in der Münchner Türkenstraße die Gesamtaufnahme der Beethovenschen Streichquartette kaufte, die da gerade sensationell günstig herging. Und ich hörte die dann auch exzessiv, bloß eben nicht die frühen Quartette, die tat ich als uninteressantes Frühwerk ab, ohne sie je gehört zu haben.

Das auf jeden Fall eine Erkenntnis, die ich ohne dieses Sonatenbloggereiprojekt hier nicht so schnell oder vielleicht sogar nie erlangt hätte: Bei Beethoven ist von op. 1 an alles interessant, alles ernstzunehmende Kunst. Wer das todtraurige Largo von op.10/3 geschrieben hat und die wirklich ja einfach saulustige Sonate op. 14/2, dem ist natürlich alles zuzutrauen.

Für mich heute, während ich die Kartoffeln für den Kartoffelsalat schälte und in die Salatschüssel hineinschnippelte, war es vor allem eine Erwärmung: Der warme Streicherklang nach all dem Klaviergeklimper, absolut angenehm. Gleichzeitig aber auch der seltsame Gedanke: Da fehlt der Drummer. Das Klavier betrommelt sich ja quasi immer selber, führt auf jeden Fall automatisch ein perkussives Moment mit sich. Die Streicher hingegen wirken fast unbeholfen, wenn sie im Allegro mal zackige Akzente setzen sollen.

Die ganz große Schwelle, die Adorno andeutet, habe ich jetzt nicht gehört, aber erste Hörungen sind ja immer unzuverlässig, zumal wenn man eigentlich mit Kartoffelsalat und Wiener Schnitzel beschäftigt ist.

Gespielt hat übrigens das Emerson String Quartet, eine Aufnahme, die ich nur empfehlen kann. Wieder Amerikaner, wie letztlich schon der Richard Goode. Ich glaube fast, nur Amerikaner können den vom Freiheitsgedanken so beseelten Beethoven adäquat locker und doch diszipliniert, ohne jede Ungenauigkeit, ohne schmierigen Schmalz spielen.

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