Beethoven, op. 2/3, C-Dur

Ein seltsames Werk, mit der Sonate komme ich nicht so ganz klar. C-Dur auch absolut nicht meine Lieblingstonart, das ist immer so eine aggressive Gutelaunestimmung, die einem das C-Dur aufdrücken will, da mache ich nicht mit. Beethoven wird diese Tonart nur noch einmal verwenden in den Sonaten, nämlich bei der Waldsteinsonate, die ich auch nicht so richtig mag.

Irgendwie wirkt die ganze Sonate auf mich wie ein Steinbruch von Ideen, die er alle noch einmal aufnehmen und zu etwas Sinnvollem verarbeiten wird, aber in der Sonate Nr. 3 stehen sie bloß so unverbunden nebeneinander. Harmonische Experimente an der Grenze des Erlaubten (einmal dachte ich wirklich, Gulda haut daneben, verspielt sich, aber steht natürlich wirklich so da, ganz interessant eigentlich) stehen neben ganz bieder C-Dur-mäßig Abgespultem, synkopierte Fortissimo-Schläge neben ziseliert filigranen Piano-Passagen, immer wieder Anflüge von Fugenartigem, das an das Finale der Hammerklaviersonate denken lässt, dann aber eben doch nicht weiterverfugt wird, sondern schroff abbricht. Überhaupt viel Schroffes in dieser Sonate, aber irgendwie, ich kann es nicht besser sagen, noch nicht ganz jene intelligent und kalkuliert eingesetzte Schroffheit, für die Beethoven berühmt werden wird, die sein Markenzeichen werden wird, sondern eine dümmere, platzhirschigere Schroffheit. Ich weiß auch nicht.

Was seltsam rausfällt aus der Sonate ist das Adagio, das nahm mich doch direkt mit, es transportiert so eine sanft getaktete Ruhe, erinnerte mich fast an Schubert in seiner liedhaften Einfachheit. Scheint fast ungreifbar zwischen E-Dur und cis-moll zu changieren, was beides ungewöhnliche Tonarten für den langsamen Satz einer C-Dur-Sonate wären. Eigenartig, aber sehr schön.

Drei von 32 Sonaten hätten wir hiermit durch. Was hab ich mir da eigentlich aufgehalst? Habe ich zu diesen Sonaten überhaupt irgendwas Eigenes zu sagen, etwas, das nicht schon in jeder Wikipedia steht? Klar wurde mir jedenfalls eines: Epigonale Frühwerke eines Unreifen sind das nicht, wie ich vorher, ohne die Sonaten zu kennen, immer gedacht habe. Beethoven war fünfundzwanzig als er die Sonaten publizierte. Kein somnambules Wunderkind, sondern einer, der weiß, was er da tut. Fünfundzwanzig, meine Güte, da spricht man ja bei Mozart und Schubert schon lange von Reifezeit. Wer weiß, was die noch für verrückten Scheiß komponiert hätten, wären sie nur ein bisschen älter geworden.

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