Altes Museum

Mit C. vormittags auf dem Weg zum Alten Museum, dann aber, einem spontanen Impuls folgend, vorher doch noch den Umweg über den Reichstag genommen, weil ich dachte, sie müsse jetzt doch mal sehen, wo die Politik gemacht wird, und würde sich meine langweiligen Reden über Demokratie und deutsche Geschichte vielleicht eher anhören, wenn sie dazu ein großes altes Haus sähe, auf dem Fahnen wehen und wo man sagen kann: Da drinnen passiert das alles. Sie hörte es sich auch an, während wir im Nieselregen die Dorotheenstraße entlang liefen, wer weiß, was alles hängen bleibt. Dann durchs Brandenburger Tor, wo ich pflichtschuldig dozierte, dass genau hier die Grenze gewesen sei zwischen zwei deutschen Staaten, genau hier die Berliner Mauer gestanden habe, über die keiner rüber gekommen sei, aber ich kanns mir ja selber nicht vorstellen und habe es nur als ein Fernsehbild im Kopf und nie real gesehen, wie soll sie das dann kapieren.

Am Pariser Platz vorbei am Blumen- und Kerzenmeer, mussten uns durchs Gedränge wursteln, immer noch legen da beeindruckend viele Menschen ihre Blumen nieder, stellen Kerzen auf, das musste ich dann auch noch erklären, warum die das machen, und ich war selber ganz gerührt für einen Moment und bedauerte, keine Blume dabei zu haben. Obwohl beides natürlich rein symbolische Akte sind, rührt mich doch das Niederlegen einer echten Blume an einem Platz, der ja auch nur zufällig Pariser Platz heißt und mit Paris ansonsten nicht mehr gemein hat als irgendein anderer Platz auf der Welt, irgendwie viel mehr, als ein paar Worte auf Twitter, oder das Ändern des Profilbilds auf Facebook.

Ob wir jetzt nicht heim könnten, fragt C., wir hätten doch schon so viel gesehen. Womit sie natürlich recht hat, aber ich tue so, als hätten wir doch eigentlich überhaupt noch nichts gesehen, und schleppe sie weiter. Als ich ihr die Schlossbaustelle zeige, fragt sie mit verzerrtem Gesicht: Wozu man denn heute noch Schlösser baue? Bei der Frage versagt allerdings selbst meine Erklärkunst.

Im Alten Museum endlich, C. wirft sich sofort zu Boden und beginnt, alles abzuzeichnen. Wieviel Mühe sie sich gibt. Ich zeichne auch ein bisschen, aber ihre Versunkenheit ist mir unerreichbar. Um uns herum eine Klasse von italienischen Kunststudenten in schwarzen, zerschlissenen Klamotten, wirklich komplett in Schwarz alle, die bald mehr auf C.s Zeichnen schauen, als auf die eigentlichen Exponate. Sie scheinen sich ernsthaft dafür zu interessieren, wie dieses sechsjährige Kind die antiken Statuen abmalt, finden das nicht bloß irgendwie süß, sondern schauen sich das ganz genau an, verfolgen es mit, reden darüber, ich verstehe natürlich nichts, und C. merkt nicht mal, dass sie beobachtet wird, so völlig vertieft in ihren Bleistift.

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Im Museumsshop nichts gekauft, dafür später bei Rewe das Star-Wars-Sammelalbum.

museumNieselregen den ganzen Tag.

 

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4 Kommentare zu “Altes Museum

  1. Diese „ja“s finde ich nach wie vor beunruhigend. Sind die auf dem Block so vorgegeben? Wie hier unten ja auch steht „Publish-Theme“?

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