19.08.2015 – Deutscher Buchpreis

Heute oder gestern die Longlist zum Deutschen Buchpreis gesehen, war mir gar nicht klar, wie spät es schon wieder ist im Jahr. Mich gefreut, Frank Witzel darauf zu finden, sein Buch mit dem Titel „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ hatte ich angefangen, für die Kretareise die Lektüre aber unterbrochen: erstens zu dick, zweitens zu schön als Buch, um es sich am Strand mit Sand und Salzwasser zu ruinieren. Werde ich aber auf jeden Fall noch fertig lesen, ein hervorragendes Buch, würde mich freuen, wenn es den Preis gewänne. (Oder müsste es „gewönne“ heißen?)

Wahrscheinlich gewinnt aber der Clemens Setz den Preis, vermute ich mal, wäre mein Tipp. Sein für den Preis kandidierendes Buch habe ich natürlich noch nicht gelesen, es ist noch nicht erschienen. Ich habe erstaunlicherweise überhaupt noch kein Setzbuch gelesen, und seit der Hans Hütt mal gesagt hat, der Setz sei sein Wunschkandidat für den Literaturnobelpreis, habe ich irgendwie Angst davor, ein Setzbuch zu lesen. Als ob das unter Umständen zu gut sein könnte, als ob ich Angst davor hätte, durch den Eintritt ins Setzuniversum unwiderruflich zum Setzfan werden zu müssen. In der Hotellobby in Kreta entdeckte ich ein herrenloses Exemplar von Setz’ Indigo, und gab es ersatzweise meiner Frau, die mich gebeten hatte, dort nach ihrem Foucaultbuch zu schauen, welches sich später in ihrer geblümten Strandtasche wiederfand. Sie las es in einem Sitz runter, das Setzbuch jetzt, nicht das von Foucault. Seitdem ist mir der Setz noch unheimlicher.

Vielleicht sollte ich sein neues Buch lesen, das für den Buchpreis nominierte, aber das ist ja, wie gesagt, noch nicht erschienen, was ich irgendwie blöd finde, ich denke, spätestens zur Bekanntmachung der Longlist sollten alle nominierten Bücher auch erschienen und für alle erhältlich sein. So könnte man den Prozess der Preisfindung, über Longlist und Shortlist bis hin zur Siegerehrung, als Leser kritisch begleiten, oder anders gesagt: wir könnten mitreden, blöd daherreden, die Bücher alle kurz im Hugendubel anlesen und uns dann in unseren Blogs das Maul darüber zerfetzen. Das wäre doch wundervoll. Besser als Bachmannpreistwittern allemal, denke ich.

Die anderen Nominierten kenne ich alle nicht oder nur vom Namen her. Wobei ich ja den Setz eigentlich auch nur vom Namen her kenne, und von Ilija Trojanow habe ich andererseits tatsächlich schon mal ein Buch gelesen, wie mir bei näherer Besinnung wieder einfällt. Trotzdem erscheint mir der Setz als ein Autor, den ich kenne, der Trojanow dagegen als ein Autor, den ich nicht kenne, ich kann es mir selbst nicht erklären, ich glaube, der unheimliche Setz hat mich bereits behext.

Und hier sieht man mal wieder, wie es läuft, wie die Texte sich selber schreiben und gar nicht von mir getextet werden: Ich hatte mich hingesetzt, um eine Eloge auf Frank Witzel zu schreiben, und schrieb dann nur über den Setz. Lest aber bitte trotzdem alle das Witzelbuch, lasst euch von dem bekloppten überlangen Titel nicht abschrecken, das Buch ist wirklich sehr sehr gut. Außerdem: „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ ist als Titel auch nicht so viel besser, oder?

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10 Kommentare zu “19.08.2015 – Deutscher Buchpreis

    • Ich hab einfach kein Faible für so übertrieben lange Titel, aber macht ja nichts, das Buch ist wirklich toll, vielleicht schreibe ich nochmal was Ausführlicheres darüber, wenn ich es fertiggelesen habe.

      • Sollte dir je danach sein und du offen sein für eine Empfehlung (und sie nicht das Gegenteil bewirken), stehe ich gerne zur Verfügung.

      • Das kann ich bestens nachvollziehen und deswegen will ich nicht zu vorschnell etwas empfehlen. Aber falls es dich doch einmal reizt: Ich finde es unbedingt lohnenswert, einmal einen der Brenner-Romane zu lesen (nicht unbedingt gleich den ersten, definitiv nicht die letzten). Außerdem lohnt sich „Das Wetter vor 15 Jahren“, schon allein seiner ungewohnten Erzählperspektive wegen, sehr. Die anderen Romane würde ich weniger empfehlen.

  1. Ich muss jetzt unbedingt mal Setz lesen, das radikale Gegenprogramm zur deutschen Literaturwerkstättenantiliteraturwerkstättenliteratur.

    • Unbedingt. Wir könnten ein Gemeinschaftsblog aufmachen: Wolfo und The Epic Cent lesen Setz. Muss vorher nur noch den Witzel und ungefähr zehn andere angefangene Bücher fertig lesen.

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