28.06.2015 – Mit Hasenkötteln und drei Links

Ich erwachte heute morgen um vier Uhr vierzig, weil etwas an meinen Haaren knabberte. Ein durch keine Traumerzählung mehr zu übertünchendes, unangenehm ziehendes Nagen an meinem Haupthaar. Ich öffnete die Augen – erstaunlich, wie hell es schon ist um diese Zeit – und sah das graue Kaninchen auf meinem Kopfkissen sitzen. Nachdem wir uns in die Augen geschaut hatten, drehte es sich nun herum, zeigte mir sein Hinterteil und ließ aus selbigem einige braune Kügelchen direkt neben meinen Kopf kullern. „Fuck, du Hase, verschwinde aus meinem Bett! Verschwinde aus meinem Leben!“, waren die ersten Worte, die ich an diesem heutigen Tag artikulierte, und irgendwie war klar: Der Tag ist jetzt, um vier Uhr einundvierzig in der Früh, bereits gelaufen.

Fragen Sie nicht, wie es soweit kommen konnte, ich erspare Ihnen die Details, ich sage nur: Alarmstufe Rot ist auszurufen, wenn pubertierende Nachbarskinder Ihnen Haustiere zur Pflege andienen und dabei Worte wie „nur für Übergang“ oder „vielleicht höchstens paar Wochen“ verwenden. Das Wohnzimmer: Ein Steinway, der langsam in einem Misthaufen versinkt.

Es war aber dann doch nicht alles nur schlecht an diesem Tag. Immerhin hat ein eilig einberufener Kaninchenkrisengipfel das Ergebnis gezeitigt, dass die Mistviecher, die ja eigentlich gar keine Mistviecher sind, sondern bedauernswerte Kreaturen, die wegen menschlicher Blödheit zu einem unwürdigen Leben in Gefangenschaft verdammt sind, übermorgen wieder abgeholt werden. Und dann erreichte mich irgendwann noch die Message, dass meine Stats angeblich boomten und tatsächlich: Herr Buddenbohm hat mich einmal mehr verlinkt und meinen letzten Text seinen Lesern zur Lektüre anempfohlen. Das ist immer ein interessantes Erlebnis. Die Klickzahlen rauschen in ungeahnte Höhen, aber sonst bleibt alles still, keine Likes, keine Kommentare. Für mich wahnsinnig angenehm. Leser, die einfach nur lesen.

Ich mache ja keine solchen Linksammlungen, vermutlich vor allem aus dem Grund, um die zu Verlinkenden im Unklaren zu lassen über meinen normalerweise ja doch eher erbärmlich niedrigen Traffic. Das ist doch beschämend. Wenn ich einen Link setze, klicken da vielleicht zwei Leute drauf, wenn es hoch kommt. Aber andererseits ist es ja auch schäbig, vom Buddenbohm immer nur die Leser und die Klicks abzusahnen und nie was zurückzugeben, also verweise ich heute mal ausdrücklich auf ihn. Er hat nämlich diesen wunderschönen und mir aus tiefster Seele sprechenden Satz geschrieben: „Isch möschte in gar keine Community.“ Genau so ist es. Wenn sich alle Internet-Startups diesen Satz bitte kurz abschreiben könnten und bei ihren künftigen Unternehmungen im Hinblick auf die potentiellen Kunden auch berücksichtigten, das wäre schön.

Und jetzt ist schon wieder Schluss hier, denn ich will, bevor der kaninchenversaute Tag schon wieder ganz rum ist, noch eine Folge True Detective schauen, die erste Serie seit längerem, die mich wieder ganz vom Hocker reißt. Habe ich entdeckt auf Hinweis von Iris, in deren wildwuchernden Gärten man alles mögliche, und eben auch gute Tipps für Fernsehserien finden kann.

Alles weitere lesen Sie beim Fachmann für fiktionale Essays, essayistische Fiktionen, paranormale Werbebanner und die endlos fortgesetzte Reihe nie geschriebener Groschenromane: Dem Epizentriker.

Advertisements

8 Kommentare zu “28.06.2015 – Mit Hasenkötteln und drei Links

  1. Ha! Daher also die kurzfristig in die Höhe schnellenden Klickzahlen bei mir drüben. 😉
    Die Serie ist toll, nicht wahr? Ich hab sie inzwischen drei (in Ziffern: 3) mal angesehen und könnte schon wieder …

    Viel Erfolg beim Freischaufeln des Steinway!

    • Die Serie ist der Hammer! Bin erst bei der dritten Folge, aber weiß jetzt schon, dass ich die auf jeden Fall noch einmal anschauen werde. Danke nochmal für den Tipp.

  2. Der perfekte „erste Satz“ – aus dem hier könnte man tatsächlich einen großartigen Groschenroman spinnen (nur so ne Idee…)

      • Jetzt denke ich tatsächlich darüber nach… Vielleicht ließe sich das aber auch dem E. irgendwie unterschieben – dann müsste aber das Kaninchen unbedingt mit rein, so als cyclopsmedialer Webtoon. Sicher ist nur: Da muss man doch was draus machen!

  3. Wenn der Buddenbohm das ernst meint, dann, muss man sagen, stellt er sich sensationell dämlich an!

    • Naja, er schafft sich halt seine eigene Community, so wie wir alle bewusst oder unbewusst es tun, will aber nicht bei jeder neuen Internetplattform gleich wieder auch dort eingemeindet werden. Ich versteh das schon.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s