Wie ich schreibe

Ich las neulich etwas über einen termitenzerfressenen Schreibtisch, so eine komische Inszenesetzung eines Autors, daneben Bilder von einer uralten mechanischen Schreibmaschine, die, so konnte man schließen, auf jenem termitenzerfressenen, dem Schreiber absolut unentbehrlichen Schreibtisch stand, dahinter der Autor selbst, die mit Zigarillo versehene Hand in Denkerpose an die leicht angerunzelte Stirn haltend, und da fragte ich mich: Du schreibst doch auch manchmal, keine Romane zwar, klar, aber immerhin: Du schreibst von Zeit zu Zeit etwas auf. Wie schreibst du eigentlich, Wolfo?

Ja, ok, ich schreibe, wenn ich es recht bedenke, hauptsächlich in vier verschiedene Programme hinein: Microsoft Word, Thunderbird, Notizen und Firefox.

Meine Blogtexte schreibe ich in Word. Arial 12 Punkt. Das ist voreingestellt und für mich völlig praktikabel. Ich muss nur jedesmal den Zeilenabstand auf 1 ½ vergrößern. Das in den Voreinstellungen zu ändern, ist mir noch nie gelungen, bestimmt geht das irgendwie, aber bevor ich mir die Mühe mache, herauszufinden wie, ändere ich das lieber jedesmal per Hand, denn das geht ja schnell. Früher war mir die Schrift viel wichtiger, ich glaubte, auf Serifen keinesfalls verzichten zu können, da habe ich noch jedesmal vom voreingestellten Arial auf Garamond umgestellt. Das finde ich heute unnötig, ja fast affig, wenn ich daran zurückdenke.

Wenn ich glaube, mit dem Blogtext fertig zu sein, kopiere ich alles und paste es in WordPress hinein, füge evtl. noch Links oder Bilder bei, fertig. Am Text arbeite ich in WordPress fast nicht mehr herum. Nur raus damit.

In Thunderbird schreibe ich meine Mails, klar.

Im Browser schreibe ich (selten, und immer noch seltener) Tweets und Blog-Kommentare. Manchmal schreibe ich auch Tweets auf dem Telefon, das finde ich allerdings mühsam, da vertippe ich mich so viel. Dass ich in meinen SMS unwillentlich immer y statt u tippe, ist fast schon eine Art Markenzeichen geworden. Voll syper.

In Notizen, dem Nachfolger der alten Memos, schreibe ich diesen Text hier gerade. Mir kommt eine Idee, die will ich nicht verlieren, will nicht warten bis Word hochfährt, denn das dauert ja immer ewig. Notizen poppt schnell hoch. Manchmal tippt man dann bloß den einen Satz, den man im Kopf hatte, schnell hin, manchmal tippt es sich so fort wie hier. Ich könnte eigentlich, wenn ich es recht bedenke, auf Word ganz verzichten und alles in Notizen schreiben. Word macht nur Sinn für Dokumente, die man danach eigentlich ausdrucken will auf Papier. Das war für mich in den ersten fünf Jahren mit Computer wahnsinnig wichtig: Ich hab mir diese Blätter auf dem Bildschirm schön designt, und dann habe ich die ausgedruckt, auch wenn das nur ganz private Notizen an mich waren. Das Ergebnis des Schreibens musste notwendigerweise ein beschriebenes Blatt Papier sein, sonst war es keine vollwertige Schrift. Dieses Paradigma musste ich erstmal abschütteln. Heute ist der Gedanke an sinnlose Ausdruckpapiere verrückt. Wie der Text am Ende aussehen soll, das regelt man im WordPress-Dashboard, auch da habe ich mir früher deutlich mehr Mühe gegeben. Woher aber der Text kommt, wie er in seiner eigentlichen Ursprungsumgebung (hier Notizen) aussieht, ist völlig egal.

So egal wie Hemingways bestimmt total legendärer Typewriter eben im Grunde auch immer schon war, und der Füller von Joyce und die Büttenpapiere von E.T.A. Hoffmann, die Bleistiftgebiete Robert Walsers, so egal ist heute die Frage: schreibt er auf einem MacBook oder einem iPad, schreibt er auf Microsoft oder Linux, schreibt er in Word oder OpenOffice, kommentiert er mit Federkiel oder mit seiner Facebook-App für Android.

Weil es jetzt aber eh schon wurscht ist, füge ich noch bei, dass seit geraumer Zeit meine Punkt-Taste kaputt ist. Bei jeder Betätigung, bei jedem Punkt, den ich setze, springt sie heraus und muss durch eine neuerliche Drückung wieder zum Einrasten gebracht werden. Man muss sich also vorstellen, dass das Schreiben eines jeden Punktes für mich bedeutet, zwei Punkte zu schreiben und dann den letzten wieder zu löschen. Meine ohnehin vorhandene Neigung, eher weniger Punkte zu setzen, sondern nur durch Kommas angedeutete Zäsuren, um das einmal aufgenommene Tempo eines Satzes nicht völlig wieder abzubremsen, wird dadurch zweifellos verstärkt Punkt Punkt Delete

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Ein Kommentar zu “Wie ich schreibe

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