18.05.2015

Ich meide Friseurläden, die montags zu haben. Friseurläden, die montags zu haben, sind gefährlich, das sind so aus der Zeit Gefallene, wenn man Pech hat, läuft man da mit einem 80er-Jahre-Schnitt wieder raus, oder mit noch Schlimmerem. Ich gehe oft an einem Friseurladen vorbei, in dessen Schaufenster ein Schild klebt: „Nur Friseure können, was Friseure können.“ Den müsste man mal logisch auseinandernehmen, das changiert seltsam zwischen Tautologie und Paradoxon, aber lassen wir das. Hinter diesem Schaufenster sitzt immer eine Frau auf einer Art Barhocker und schaut in einen Computer, auf dem sie Solitaire spielt. Ich habe sie noch nie Haare schneiden gesehen. Niemand betritt je diesen Laden. Eine Tragödie natürlich. Sie kann offenbar etwas, was nur Friseure können, aber niemand will das mehr haben. Einsam sitzt sie da und schiebt die Solitairekarten über ihren Bildschirm. Heute natürlich nicht, denn heute war ja Montag, da hat sie natürlich zu. Ob sie montags, wenn sie frei hat und zuhause sitzt, ob sie da wohl auch Solitaire spielt? Ach, egal, jedenfalls war ich heute beim Friseur, denn ich gehe immer montags zum Friseur, um ganz sicher zu sein, dass ich bloß ja bei keinem lande, der montags etwa zu hat. Ich hasse sowieso Friseurbesuche, aber die heute war okay, eine Spanierin, wie ich aus ihrem Akzent schloss, konnte kaum deutsch, schnitt mir schweigend und konzentriert die Haare, während am Nachbarstuhl nur so geschnattert wurde. Ich glaube, die Spanierin war genauso froh, dass ich die Schnauze hielt, wie ich vice versa froh war über ihre Schweigsamkeit. Der Bullshit, den sich Friseure den ganzen Tag über anhören müssen, das ist ja das pure Grauen.

Abends kochte ich eine Paella und zwar strikt nach Wikipedia. Wenn man die Basics des Kochens beherrscht, Mengenverhältnisse und Garverhalten der beteiligten Zutaten ungefähr selber einschätzen kann, dann ist, gerade für so traditionelle Gerichte, Wikipedia das bessere Kochbuch als die jeden Kochschritt exakt vortaktenden Bücher der Meisterköche mit ihren jeweiligen Individualspleens.

Und alle reden seit drei oder fünf Jahren über die Zukunft des Printjournalismus, aber über die Zukunft der Montags-zu-Friseure oder der Paella-Kochbuchautoren redet keiner.

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4 Kommentare zu “18.05.2015

  1. Am Montag stand ich um 8.58 Uhr vor den Tür zum Frisörladen, um ganz sicherzugehen. Besser kann man eine Woche nicht beginnen.

    Obwohl, davor habe ich endlich die ganzen leeren Flaschen aus dem Büro weggebracht.

  2. Und ich dachte immer, ich seh scheiße aus, weil meine Haare so fein sind. Dabei bin ich nur beim falschen Frisör, bei einem Montag-zu-Frisör! Es besteht also Hoffnung! *freu*

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