Pfennigfuchser

Was soll uns der Pfenning,
wann wir nimmer sein?
(Hoffmann v. Hoffmannswaldau)

Denke in letzter Zeit fortwährend an meine Schulzeit, vor allem die Grundschulzeit zurück. Dinge, die jahrelang, jahrzehntelang irgendwo im Hirn vergraben waren, treten plötzlich wieder an die Oberfläche des Bewusstseins. Wie wir eine Lehrerin in den Wahnsinn trieben mit dem von allen selbstverständlich und ausnahmslos im Schreiben wie im Sprechen verwendeten Wort „Pfenning“. Dieses Wort gebe es nicht, es sei kein deutsches Wort, überhaupt kein Wort sei das, es heiße „Pfennig“, ob wir nicht einfach mal lesen könnten, was auf diesen Münzen draufsteht, ob da irgendwer ein drittes „n“ erkennen könne, und sprechen müsse man das sogar „Pfennich“, wann wir das endlich kapieren würden, das sei doch wirklich nicht so schwer zu begreifen. Ich sehe den Schulfreund verschwommen vor mir, erinnere mich aber nicht mehr seines Namens, mit dem ich auf dem Schulhof verabredete, auch in der nächsten Mathestunde, wo wir irgendwelche Geldbeträge in andere Geldbeträge umrechnen würden, wieder Pfenning zu sagen, so oft Pfenning zu sagen, bis sie wieder durchdrehen solle. Vermutlich zogen wir das nicht durch, ich weiß es nicht mehr, hier bricht die Erinnerung ab, und heute sieht mir das Wort „Pfennig“ schon ganz seltsam aus, ganz fremd, tatsächlich wie ein Wort, das aus der Sprache gezogen wurde wie die Münzen aus dem Verkehr. Heute heißt das Cent, gleich geschrieben und ausgesprochen vom höchsten Norden bis zum tiefsten Süden. Ein Problem weniger.

(Ich glaube, auch die in meiner Kindheit vollkommen gängigen Worte „Zehnerl“ und „Fuchzgerl“ haben sich nicht auf die entsprechenden Centmünzen übertragen, so wie ich auch hier im Norden niemanden mehr das Wort „Groschen“ sagen höre. Ein Titel wie „Dreigroschenoper“ wird wohl in nicht allzu ferner Zukunft den Leuten wie die surrealste, unverständlichste Wortschöpfung vorkommen.)

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13 Kommentare zu “Pfennigfuchser

      • Der Heiermann war das, wo Geld anfing, aus Kindersicht. Also richtig Geld. Drunter war auch nett, aber für einen Heiermann konnte man sich schon einen Comic kaufen. Oder zwei Portionen Pommes. Oder Zigaretten, später. Mit einem Heiermann fing der Reichtum an. Und natürlich war das auch eine sehr handliche Münze mit einer reellen Größe.

  1. Bei der Einführung von Euro und Cent gab es durchaus eine Diskussion darüber, ob Cent im Anlaut stimmhaft oder stimmlos ausgesprochen werden soll, meine ich mich zu erinnern. Ist dann wohl im Sande (sic!) verlaufen…

  2. Naja so ganz ausgestorben ist der Pfennig noch nicht. Zumindest in den Redensarten würde wohl kaum einer auf die Idee kommen zu sagen: Wer den Cent nicht ehrt, ist den Euro nicht wert! Oder etwas auf Heller und Cent zurückzahlen. Allerdings weiß ich schon nicht mehr, was ein Heller ist, und so wirds dem Pfennig irgendwann auch gehen. Sprache verändert sich eben, das war schon immer so.

  3. Der Pfenning ist zwar in meiner Heimat Niederbayern auch schon aus dem Alltag verschwunden, ganz anders sieht es aber mit „Zehnerl“, „Zwanzgerl“, „Fuchzgerl“ und auch dem „Zwickl“ für die Zwei-Euro-Münze aus. Und das nicht nur bei den „Alten“ – das mag aber wohl daran liegen, dass dort, wo ich herkomme, Dialekt in allen Altersgruppen sehr verbreitet ist.

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