Entdecke England

Di, 5.8.14: Zum ersten Mal in meinem Leben fliege ich von Tegel, ich wusste noch nicht mal, dass dieser Flughafen den Beinamen „Otto Lilienthal“ führt. Ausnahmsweise mal eine sinnvolle Flughafenbenennung, wie ich sofort denke, als ich den Schriftzug sehe: ein Flugpionier, völlig einleuchtend, statt immer dieser idiotischen Politiker. Flug sehr ruckelig und rumpelig, in Heathrow muss man dann erstmal zehn Kilometer latschen bis zur Gepäckausgabe, Lord Lettuce holt uns dort ab, wir fahren zunächst in die Gegenrichtung, einmal um halb London herum, zu H.s Großeltern, die im Londoner Norden leben. Man sieht nichts von der Stadt, die wir umkreisen, plötzlich sind wir da, ein Häuschen mit Garten, könnte irgendwo in der Provinz sein, nichts weist darauf hin, dass wir im angeblich hektisch pulsierenden London uns befinden. Eine kleine U-Bahnfahrt nur, und wir wären drin in dem Gewühl, der Traumstadt meiner Jugend, aber wir sitzen im beschaulichen Gärtchen, essen Würstchen, der Großvater kredenzt Wein, haben es nett. Immer wieder für mich auch ein seltsamer Gedanke, dass diese reizenden alten Leute, die ich kaum kenne, mit denen ich mich in einer mir fremdem Sprache mehr schlecht als recht verständige, doch die leibhaftigen Urgroßeltern meiner Kinder sind. Bevor es zu spät wird, fahren wir wieder ab, jetzt auf der anderen Seite an London vorbei. Als wir die Themsebrücke überqueren, sehen wir die Stadt da liegen, waren drin und doch irgendwie auch nicht. Kinder schlafen im Auto, Ankunft in Camber, East Sussex, erst am späten Abend, ziemlich erschöpft, vor uns das Meer.

Mi, 6.8.14: Morgens Regen, extremer Wind den ganzen Tag. Zermürbende Monotonie des Meeres erfasst mich augenblicklich. Was macht man denn jetzt hier, zumal bei schlechtem Wetter? Die Aussicht, die Aussicht, sagen alle, aber ich sehe nur Wasser, und der Wind bläst mir so ins Gesicht, dass ich die Augen sowieso kaum aufkriege. Man kann nicht mal vernünftig rauchen, weil der Wind einem die Zigarette förmlich vor der Nase wegfrisst, weswegen ich Idiot einfach immer noch mehr rauche, den ganzen Tag auf der Terrasse im Wind stehe und mir unter grotesken Verrenkungen eine nach der anderen anzünde.

Do, 7.8.14: Schönes Wetter, früh morgens schon im Meer gebadet, später mit H. und den Kindern den Strand entlang spaziert bis zum Eiscafé. Herrlicher Sandstrand, erstaunlich, wie wenig hier los ist. Gegen 11 Aufbruch nach Dymchurch, zum Rummel, an den H., die als Kind jeden Sommer in England war, wertvolle Erinnerungen knüpft. Parken hinter einer vollkommen aus Beton gefertigten Strandpromenade, über die ich rätsle, ob sie als Strandpromenade wirklich gedacht und geplant war, oder ob es sich um Überreste einer Befestigungsanlage gegen eine mögliche Invasion der Deutschen im Zweiten Weltkrieg handelt? Ältere Türme stehen auch in gewissen Abständen herum, mit Kanonen bewehrt, von denen erzählen Schilder, dass sie gegen eine Invasion Napoleons errichtet wurden. Die grell weiß reflektierende Betonmauer trägt kein Schild, soviel ich sehe. Unten tummelt sich Badevolk. Ein Ort, der mich an die Fotografien von Martin Parr erinnert, die übertrieben ausgeleuchteten Strandperversitäten Englands. Der Rummel, wegen dem wir ja eigentlich hier sind, sehr lustig. Eine Art Mini-Oktoberfest für kleine Kinder, für die unsrigen also genau das Richtige, Geisterbahn, Wasserrutsche, Kinderkarrussell, die Kinder sind begeistert und H. verzückt in Erinnerungen: Nichts hat sich verändert seit 20 Jahren. Wir sind dann hungrig, brechen auf, holen uns Fish & Chips aus einem Imbiss, denn das muss man doch machen, wenn man in England am Meer ist: Fisch & Chips essen. Schmeckt auch köstlich. Verrückterweise schließen der Lord und die Seinigen sich uns nicht an, kleines Hin und Her, verstehe die Details nicht, wollen sie nicht, dass ihre Kinder Pommes essen? Im Pub, in das wir jetzt fahren, bekommen sie stattdessen tütenweise Chips (also Crisps) kredenzt, ok, ich muss auch nicht alles verstehen. In den Essensrhythmen liegen wir irgendwie nicht auf einer Wellenlänge mit den Engländern, das ist jetzt schon klar, geredet wird darüber aber nicht, man muss improvisieren. Das Pub (St. Mary in the Marsh) ist jedenfalls reizend, im absoluten Nichts gelegen, daneben eine kleine Kirche mit Friedhof, über den wir spazieren: Uralte Gräber, schief, Schrift teilweise gerade noch, teilweise überhaupt nicht mehr entzifferbar. Gräber ungepflegt, keine Bepflanzungen, einfach nur Gras vor dem Stein. Gefällt mir hundertmal besser als die deutsche Friedhofskultur mit ihrem Blümchenwahn. Alle sind ständig in Gedanken verstrickt, Gräber auflösen zu wollen, aus Angst, nach ihrem Ableben könne keiner sich mehr ums Grab kümmern, es turnusmäßig bepflanzen, und das wäre dann das Schlimmste. Meine Mutter liegt mir seit Jahren mit solcher Rede in den Ohren, und von ihrer Freundin B. hörte ich unlängst genau denselben Text. Als wären Gräber Zeichen für den Gärtnerfleiß der Lebenden, und nicht Gedenkmale für die Toten.

Nach zwei Pints in diesem Pub fahren wir auf dem Heimweg noch in Lydd zum Metzger, weil ich nächsten Tags Wiener Schnitzel machen will. Wie Lord Lettuce schon vorhergesagt hat, hat der kein Kalbfleisch, verrückt: Jeder Supermarkt in Deutschland hat Kalb, jeder Metzger sowieso. Aber egal, mache ich halt Schnitzel Wiener Art, Schwein wird er ja haben, pork bittesehr. Der Metzger präsentiert mir nun Schweinefilets, daraus kann ich logisch keine Schnitzel schneiden, wie sagt man nochmal „Oberschale“ auf englisch? Ich deute mit zwei Händen die Partie zwischen Popo und Knie an, Metzger lacht und liebt mich jetzt endgültig, bringt ein wundervolles Stück Fleisch, ideale Färbung und Maserung, perfekt, im Ganzen gekauft. Mache die Schnitzel dann noch am selben Tag, der Lord und ich hatten wieder aneinander vorbeigeredet, aber kein Problem, ich koche los, Panade wird abenteuerlich selbst hergestellt, Kartoffelsalat mache ich selbstverständlich bayrisch, mit Bouillon statt der vermaledeiten Mayonnaise, das kennen die auch nicht, schmeckt aber allen, voller Erfolg.

Fr, 8.8.14: Der Lord ist krank. Geplanter Ausflug nach Rye fällt flach. Stattdessen Tag am Haus, am Meer. Bisschen Strand, bisschen Wasser, bisschen Lesen (Kurt Vonnegut, Schlachthof 5). Erkunde zweimal das Dorf, aber auch beim zweiten Mal die Erkenntnis: Hier gibt es nichts und nichts geht. Kann nicht mal Bargeld aus dem Bankautomaten im Supermarkt, dem einzigen des Dorfes, ziehen. So stehe ich da mit meinen zehn Pfund: 4 Bier und eine Packung Frischkäse. Aber viel mehr hätte es da eh nicht gegeben. Toll eigentlich: Ein herrlicher Strand, wunderbar am Meer, Wasserqualität vom Feinsten, aber touristisch völlig unerschlossen. Keine vernünftigen Läden, keine Hotels, als Ausländer kriegt man noch nicht mal Bargeld aus dem Automaten.

Das Meer fasziniert mich jetzt doch. Studiere Ebbe und Flut, habe ich so auch noch nie erlebt. Während tagsüber das Meer ganz weit draußen war, ich ewig latschen musste, um hinzukommen, ist es jetzt ganz nah, schwappt beinah auf die Terrasse. Höre es rhythmisch rauschen, in der Ferne verschwimmt die Grenze zwischen Meer und Himmel, ist nicht mehr auszumachen in der Finsternis, alles eins. Auch sehe ich die Linien des Papiers nicht mehr, und die Meerluft hat das Papier so aufgeweicht, dass der Bleistift kaum noch schreibt. Den Computer habe ich noch keine Sekunde vermisst.

Sa, 9.8.14: Vormittags Fahrt nach Lydd, Großeinkauf bei Sainsbury’s. Normal okayer Supermarkt letztlich, hatte bisschen was spektakuläreres erwartet, Londoner Megamarkets in der Erinnerung. 1995, der Tesco in Elephant & Castle, schier endlose Gänge mit Lebensmitteln, uns quollen die Augen über, „Grotesco“ nannten wir den Markt nur. Vielleicht hat Deutschland in der Zwischenzeit da auch bloß aufgeholt, und die Erinnerung trügt. Mein Plan, einen Kasten Bier zu kaufen, löst sich in Luft auf, die Einheit „Kasten“ scheint hier unbekannt, der Lord greift scheinbar wahllos irgendwelche Einzelflaschen aus dem Regal, mir sagen alle diese Biere nichts, ich lasse ihn gewähren. Danach nochmal ein Mittagsbier in St. Mary in the Marsh, weil ich es da so schön fand. An der Bar exakt die selben Leute wie beim letzten Mal, rechts außen wieder der Bucklige. Worüber sie wohl immer reden, wenn sie sich täglich hier einfinden? Geht ihnen nie der Gesprächsstoff aus? Offenbar nicht, sie reden und reden, was ich wahrscheinlich nur deshalb bemerkenswert finde, weil ich kein Wort verstehe. Nur die Frau hinter der Bar ist eine andere, dem Aussehen nach die Mutter der Kellnerin vom letzten Mal.

Nachmittags Ausflug nach Rye, ein pittoreskes mittelalterliches Städtchen, auf einem Hügel gelegen. Fast zu pittoresk, wie die durchziehenden Japaner anzeigen, die alles abfotografieren. Wir sind mit dem Bus da, weil der Lord im Mermaid Inn Pints trinken will, was dann leider unmöglich, weil das Mermaid Inn gestruppte voll. Es sei sowieso nicht mehr so schön und alt wie früher, sagt er, und erinnert mich damit schlagartig an meinen Vater, der mich auch immer in irgendwelche Wirtshäuser schleppte, um dann drinnen zu bekunden, das sei auch nicht mehr so urig wie früher. Trinken ein Bier auf der Terrasse eines vollkommen unurigen Hotels, dann wird es eh zu windig und zu kalt, machen uns auf den Heimweg. Auf der Heimfahrt im Bus verstrickt mich ein älterer Herr ins Gespräch, befragt mich nach dem Wie und Wann und Wo unseres Urlaubs, zeigt mir dann Videos auf seinem Handy, vom Strand im Winter, alles völlig nichtssagend, man sieht nichts und hört auch kein Meeresbrausen sondern nur den das Handymikrofon heillos übersteuernden Wind. Bin nicht sicher, ob er bei klarem Verstand ist. H., die die Szene von drei Sitzreihen weiter hinten aus beobachtet, sagt später: Er war irre.

So, 10.8.14: Sunday Lunch. Im Netz wird emsig recherchiert, wo man das am besten einnehmen könnte, alle sitzen vor ihren Tablets, iPhones, Laptops, rufen Speisekartendetails durcheinander. Als die engere Auswahl feststeht, entscheide ich fürs „The Bell“. Wir fahren hin, der große Sturm kündigt sich schon an, Regen und sehr windig. Die Vorspeise, Pilze im Filoteig, mit roten Zwiebeln und einer Blue-Cheese-Cream-Soße, lässt alles erhoffen, schmeckt wahnsinnig gut, der Koch offenkundig ein Genie, meine blinde Restaurant-Auswahl die ideale. Der Hauptgang ist dann leider doch die normale und zurecht verschrieene englische Traditionsküche. Lammkeule zäh und fasrig, Yorkshire Pudding ein völlig geschmackloser und halbverbrannter Mehlknödel, dessen Sinn mir völlig verschlossen bleibt, Gemüsebeilagen schmecken ebenfalls nach nichts. Helen spinnt total auf die Minzsoße ab, ohne die sie kein Lamm essen könne, was mir entgegen kommt, da mir der minzige Zahnpastageschmack völlig gegen den Strich geht. Ich überlasse ihr das Schälchen gerne. Abends Sturm.

Mo, 11.8.14: Nach und nach trudelt die ganze englische Verwandtschaft ein. Alle reden durcheinander, für mich ein fast unerträglicher Sprachlärm, kann fast nichts verstehen. Gottseidank will auch keiner von mir groß was wissen, muss kaum sprechen, und gehe doch unter in diesem Durcheinandergerede, halte diesen Sirenengesang der englischen Sprache, die mir immer eine Oktave höher vorkommt als das Deutsche, fast nicht mehr aus. Als abends die Letzten gehen, sinke ich bewusstlos ins Bett.

Di, 12.8.14: Dungeness. Einer der seltsamsten Orte, die ich je sah. Eine Art Steinwüste, als Naturschutzgebiet ausgezeichnet, in der wahllos verstreut Ferienhäuser herumstehen, zerfallene Schiffswracks, ein alter Leuchtturm, direkt dahinter ein Atomkraftwerk und daneben der Bahnhof einer Mini-Dampfeisenbahn, mit der wir fahren wollen. Als ich die winzigen Gleise sehe, habe ich Zweifel, ob diese Bahn wirklich erwachsene Menschen transportieren kann, sieht aus wie eine nur ein klein bisschen zu groß geratene Spielzeugbahn. Der Schaffner im weißen Hemd und schwarzer Hose, bestimmt über Siebzig, die oberen Schneidezähne fehlen ihm, kontrolliert am Bahnsteig meinen Fahrschein, fragt mich direkt, woher ich komme: „Ah, Germany, I went there many years ago.“ Was ich von Stuttgart halte? Ich zucke die Achseln. „Well, the Stuttgart Chamber Orchestra did some remarkable Bach“, soweit er sich erinnere, woher genau ich denn sei. „Originally from Bavaria, but now we live in Berlin“, erwidere ich. Er schmeißt direkt beide Arme in die Luft: „Ah, the Berlin Philharmonics, impossible to beat them. Karajan, Klemperer, Knappertsbusch!“ – „And Furtwängler“, sage ich, woraufhin er sofort: „Of course, Furtwängler, his Tristan of 1952, best recording of all times!“ Bin immer noch völlig perplex, hier an einer Kinderbahnstation, eine Steinwurfweite vom Atomkraftwerk entfernt, mich plötzlich mit einem englischen Schaffner in ein Gespräch über deutsche Dirigenten der fünfziger Jahre verstrickt zu finden, aber kann ihm natürlich nur beipflichten: Furtwänglers Tristan, auch meiner Meinung nach die beste Aufnahme der Oper bis heute. „There´s a story about Knappertsbusch“, hebt er jetzt an: „He didn´t like to repeat.“ Ich ahne schon, worauf die Geschichte hinaus will, glaube die Anekdote zu kennen, bin dennoch auf seine Version der Geschichte gespannt, da wird er abberufen zum Bahndienst, und ich hätte ihm doch gerne noch meine Knappertsbuschgeschichte erzählt, von der Taube und der Schnur, Parsifal 51 in Bayreuth. Aber er kommt nicht wieder, dann fährt die Dampfbahn ein und wir mit ihr nach Dymchurch, noch einmal auf den Rummel, was sich die Kinder so dringlich gewünscht hatten, noch einmal großer Spaß mit Geisterbahn, Wasserrutsche, Drehkarussell und final sogar Autoscooter. Mein Wahn, im linksverkehrten England absolut kein Auto fahren zu können, lässt mich erst zögern, dann steige ich doch ein und fahre mit C. eine Runde: Lustig.

Im Pub später, gehe an die Bar zum bestellen, Kellnerin noch nicht da, links von mir ein seltsames Männchen mit einem grotesken Lederhelm, das ununterbrochen auf den Mann rechts von mir einredet. Ich verstehe absolut nichts von dem, was er sagt, registriere nur, dass immer wieder die Worte „german“ und „Germany“ in seiner Rede auftauchen. Da ich die Worte nicht verstehen kann, muss ich die Melodie seiner Rede interpretieren: Klingt nicht sehr freundlich. Der Bärtige rechts von mir, der sich das stoisch alles angehört hat, repliziert nur in tiefstem Bass: „I’m not german.“ Ich hab in dieser Runde noch kein Wort gesagt, die beiden beachten mich gar nicht, bin bloß zufällig Deutscher, jetzt kommt die Kellnerin, normalerweise versuche ich ja nicht, meinen deutschen Akzent zu verbergen, jetzt will ich doch besonders britisch klingen mit meiner Bestellung. Vollkommen blöd natürlich, wie mir auch bewusst ist, aber ich will in kein Gespräch mit dem Lederkappenheini geraten, in dem ich unterliegen muss, weil ich seinen verrückten Dialekt nicht verstehe. Hinterm Pub ist ein Spielplatz, die Kinder rutschen und klettern, die Sonne scheint, man könnte noch bleiben. Sage zu H., dass sie aber das zweite Bier holen müsse, weil ich nicht noch einmal zum Lederkappenmann hinein will, dann begegne ich ihm logischerweise auf dem Klo, wo er mich so totschwallt in einem Englisch, das ich wirklich absolut nicht verstehe, dass ich schließlich doch sagen muss, um nicht als totaler Depp dazustehen: „I don’t understand you, my english is not so good.“ Woraufhin er sofort: „So you’re german!“ Immer noch an der Pissrinne neben ihm stehend, sage ich: „Yes. I’m german.“ Worauf er in ein groteskes Kichern ausbricht, und immer wieder ruft: „Aouiedersehn, aouiedersehn!“ Mich schüttelts innerlich, die Toilette ist so eng, er hat wirklich die Ausstrahlung eines teuflischen Giftzwergs und das Klo hallt von seinem Gekreisch wider. „Auf Wiedersehen“, sage ich im Hinauseilen, scheiß aufs Händewaschen, und hoffe, ihn nie wiederzusehen, wie das ja oft so ist. Heimfahrt im Bus, wo J. mir schlafend auf den Schoß sinkt. „Wo sind denn diese Englischen?“ fragt er, als wir im Haus ankommen. Die kommen dann später auch, als er schon schläft.

Mi, 13.8.14: Nochmal alle nach Dungeness. Man kann die Kreidefelsen von Dover sehen von hier aus. Und wenn ich an Dover denke, denke ich automatisch an zwei Dinge: Ochses Umzug nach London und unsre Überfahrt von Calais nach Dover, und an den Lear, Thomas Holtzmann als der blinde Gloucester, der die Klippe hinab stürzen will und es nicht kann. Später nochmal im Meer, jetzt endlich wirklich mal perfektes Wetter dafür, schönes Baden, am letzten Tag will man alles immer festhalten, den ganzen Sommer am besten.

Do, 14.8.14: Früh los richtung Heathrow. Sehe von der Straße aus das Park Inn Hotel, wo ich vor fast vier Jahren notgedrungen übernachten musste, weil wegen fünf Schneeflocken mein Flug nicht ging, und ich dann morgens, in diesem luxuriösen Hotelbett erwachend per SMS erfuhr, dass J. in der Welt. („Muss immer kotzen. Glaube bin schwanger.“) Und derselbe J. sitzt jetzt ganz selbstverständlich da in der Abflughalle und wartet auf seinen Flug nach Tegel, der diesmal plangemäß abgeht. In Tegel stolpert man dann fast automatisch durch Passkontrolle zur Gepäckausgabe, nur wenige Meter und man steht am Bus. Was für ein genialer Flughafen, warum will man denn den aufgeben, verstehe ich überhaupt nicht. Aber typisch Berlin natürlich: Da hat man einmal was, das funktioniert, und dann will man es gleich wieder loswerden, ersetzen durch etwas Monumentaleres, der alte Gigantismus, und siehe da: Das funktioniert ums Verrecken nicht. Otto Lilienthal forever!

Fr, 15.8.14: Erst mal Milch kaufen.

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4 Kommentare zu “Entdecke England

    • Ja, nicht wahr? Und jedesmal wieder ärgert man sich, dass man nicht vor der Abreise noch einen Liter länger haltbarer Milch im Kühlschrank deponiert hat. Fands lustig, heute bei Dir im Blog zu sehen, dass ihr Urlaub in Deutschland gemacht habt, während wir in England waren. Jetzt wieder die Küsten getauscht und weiter gehts…

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