Johann Holtrop: Eine Katastrophenchronik

Bevor ich mit Jüngers Kriegstagebüchern weitermache, jetzt auf Anregung der Katastrophenchronistin doch noch einige zusätzliche Anmerkungen zu „Johann Holtrop“.

Das Buch besteht aus drei Teilen, der erste Teil zeigt Holtrop im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt seiner Macht als Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Assperg AG. Allein der Firmenname schon, und sofort beginnt alles zu schillern. Da steckt erstens natürlich das englische „Ass“ drin, also zu deutsch „Arschberg AG“. Dann denkt man natürlich gleichzeitig sofort an das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus, die den Betroffenen alle sozialen Interaktionen stark erschweren, da sie nicht in der Lage sind, Mimik und Körpersprache der anderen richtig zu deuten. Und drittens – es mag zu weit hergeholt erscheinen, aber mir drängte sich die Assoziation direkt auf – erinnert der Name an den „Auersberger“, bei dem der Ich-Erzähler von Thomas Bernhards „Holzfällen“ zum künstlerischen Abendessen eingeladen ist und sich dabei in seiner Erregung über die Verkommenheit des Kunst- und Kulturbetriebs in höchste Schimpfhöhen hinaufsteigert, wobei der Auersberger selbst die schiere Verkörperung all dieser Scheußlichkeiten darstellt. Alle drei Lesarten des Firmennamens charakterisieren das Buch „Johann Holtrop“ als Ganzes: Es geht um Ärsche, um deren Gestörtheit im Sozialen (ohne dass sie vom Asperger-Syndrom im klinischen Sinne befallen wären), und um einen Erzähler, der zwar anders als bei Bernhard nicht als Ich-Erzähler selbst in der Erzählung auftritt, aber dennoch keinen Zweifel daran lässt, wie scheußlich und grauenhaft er die Vorgänge in der Assperg AG findet. Und ähnlich wie bei Bernhard dient das Stilmittel der Übertreibung auch hier der Sichtbarmachung bestimmter Zusammenhänge und Zustände.

So wie „Holzfällen“ Bernhards Hasserklärung an den Kulturbetrieb war, so ist „Johann Holtrop“ Goetz’ Hasserklärung an die neoliberal entfesselte Wirtschaft der letzten zwanzig Jahre.  Das Buch besteht aber (ebensowenig wie „Holzfällen“) nicht aus bloßer unreflektierter Hassrede, sondern beschreibt sehr treffsicher die verfehlte Geisteshaltung der Akteure und die Mechanismen, die schließlich zum Platzen der Blase und dem Zusammenbruch führten. Im ersten Teil geht es vor allem darum, dass Holtrops einstiger Weggefährte Thewe von Holtrop abgesägt wird. Den kann er aber nicht einfach rausschmeißen, stattdessen werden Beraterfirmen engagiert, deren Evaluationen ergeben sollen, dass Thewe weg muss. Das liest sich bei Goetz dann so: Die Beraterfirma präsentiert ihre Ergebnisse:

In ein schülerhaft ordentliches Schema wird die Pseudopräzision einer möglichst angeberhaft abstrakten Begrifflichkeit, hier billig der Systemtheorie entlehnt, quasi automatisch hineingefüllt. Die so erzeugte Wissenschaftlichkeitsanmutung war dazu da, das Gutachten möglichst weit weg von der Realität der begutachteten Wirklichkeit zu positionieren, um seiner Funktion zu entsprechen, Realwissen über Realität zu stören. Der Boom der Beraterindustrie seit den eben vergangenen 90er Jahren des XX. Jahrhunderts hatte auch darin seine Ursache, dass den Leuten in Entscheiderpositionen das Urteilszutrauen verlorengegangen war, es fehlte die Freude daran und der Mut, das Wirre der Realität mit eigenen Urteilsintuitionen erfassen zu wollen. Lieber wurden vier Gutachten eingeholt, je teurer, umso besser, als dass man sich in der irrational witternden Weise, so wie die Vernunft der Urteilskraft es vorgab, selbst ein Bild vom zu beurteilenden Gegenstand, hier etwa den insgesamt klandestinen Strukturen am Asspergstandort Krölpa, gemacht hätte. Außerdem lieferte schon der Prozess der Begutachtung von außen erwünschte Nebeneffekte mit, die jede Innenanalyse als falsch ausgewiesen hätte, die vom Auftraggeber des Gutachtens aber genau gewollt waren: das Gutachten sollte auch Unruhe stiften, Angst erzeugen, Instabilität schaffen. (S. 48f.)

In dieser Passage ist fast schon der Kern des Romans in starker Verdichtung enthalten. Holtrops Verleugnung der Realität durch einerseits Unkenntnis, Unfähigkeit und Verdrängung nach innen, und seine Reaktion: Erzeugung von Angst und Instabilität nach außen hin, also in Richtung der Untergebenen.

Solche Strukturen werden im ersten Teil sehr detailliert, manchmal fast überpräzise dargestellt, Holtrop ist ganz oben, er spielt mit der Macht, aber er ist ein Visionär ohne Vision, das kann nicht gut gehen, man ahnt es schon. Sehr interessant ist nämlich, wovon im Roman überhaupt nicht die Rede ist, ein vom Autor sicherlich ganz bewusst gesetzter blinder Fleck: Von dem, was die Firma Assperg überhaupt macht, was für ein Produkt da eigentlich verkauft wird. Irgendwas mit Medien, aber konkreter wird der eigentliche Geschäftskern nie angegeben. Beschrieben werden dezidiert immer die Machtstrukturen innerhalb der höchsten Managerebene. Was produziert wird und wie sich das verkauft und warum, oder warum nicht, das wird nie thematisiert, dem Holtrop werden immer nur unendliche Zahlenkolonnen vorgelegt, die er selber nicht versteht und deshalb umso entschlossener abnickt. Ich halte das für ein sehr gelungenes Bild von der Entwicklung, die wir ja real in den letzten 20 Jahren miterlebt haben: Die Entkopplung des reinen Geldes von den Produkten, mit denen dieses Geld eigentlich verdient wird. Holtrop jongliert ziemlich besinnungslos mit Millionen, die nirgendwo geerdet sind, keine Entsprechung in der Realität mehr haben, weswegen die Blase ja dann letztlich auch platzen muss.

Im zweiten Teil geht es bergab mit der Assperg AG und dementsprechend auch mit Holtrop. Während er früher eigentlich nur zwischen Hongkong und New York hinundherflog und die großen Geschäfte abwickelte, kniet er sich jetzt wieder in sein irgendwo in der deutschen Provinz gelegenes Büro hinein, verstört aber durch diese plötzliche Präsenz seine Mitarbeiter nur noch mehr, alles geht immer noch schneller den Bach runter.

Hinter Panzerglas und Nebel taumelte Holtrop durch die erste Hälfte der Woche. Die üblichen Sitzungen verliefen wie sonst auch. Am Mittwoch hatte sich der Eiter aus dem linken Oberlid nach innen auf den Augapfel ergossen, die Schmerzen hatten nachgelassen, aber das Auge und der Gesichtsteil darunter waren dramatisch angeschwollen und feuerrot entflammt. So stand Holtrop am Donnerstagmorgen im Badezimmer vor dem Spiegel. So stand er ein paar Stunden später hinter dem Vortragspult im Berliner Kongresszentrum ICC, um den leider ja wieder sehr massenhaft erschienenen, aufs allerherzlichste begrüßten Klein- und Kleinstaktionären im Bilanzvortrag seine Sicht der katastrophalen Lage der Assperg AG zu erläutern: Die Lage sei unkatastrophal. Die ergriffenen Maßnahmen eins bis neun seien alternativlos. Ihre Wirkung beginne bereits zu greifen. Dies sei auch zu beweisen. Dann folgte das einschlägige Feuerwerk der Zahlen, das Holtrop abfackelte, ohne es selbst verstanden zu haben. Zum ersten Mal, seit er diesen Job als CEO bei Assperg machte, kam er sich dabei wie ein Hochstapler vor. (S. 241)

Natürlich war Holtrops Treiben von Anfang an eine Hochstapelei, aber solange die Zahlen stimmten, hatte das niemand bemerkt, auch er selber nicht. Darin besteht auch die Tragik der Figur Holtrop.

Der dritte Teil ist mit 60 Seiten der kürzeste, gleichzeitig umfasst er den längsten Zeitraum, von Holtrops Entlassung bei Assperg 2002 bis zu seinem Tod 2010. In einer Kritik wurde das als liebloses Heruntererzählen gebrandmarkt, ich empfand es als eine dem Rhythmus der Erzählung ganz angemessene Beschleunigung des Tempos. Holtrop kommt innerlich mit dem Machtverlust nicht zurecht, ein als romantisches Wochenende mit seiner Frau geplanter Paris-Trip gerät zur Katastrophe:

Vor dem Restaurant George V saßen Pia Holtrop und ihr Mann auf der Terrasse beim Abendessen, es war eine warme Sommernacht, die Autos auf den Champs Élysées summten und leuchteten, das großstädtische Bewegtsein des Verkehrs euphorisierte Holtrop, auch das Essen war natürlich außerordentlich, und Holtrop textete manisch seine neuesten Pläne und seine augenblickliche Begeisterung auf seine Frau hin ein, genau so wie er früher immer seine Untergebenen zugetextet hatte, wenn ihm gerade danach war. Die Rücksichtslosigkeit Holtrops beschämte seine Frau. Sie war müde, wollte ihm aber gern die Freude machen, sich an dieser absurd kurzfristig angesetzten Parisreise zu freuen. (S. 295f.)

Aber die innere Kaputtheit Holtrops ist nicht mehr zu reparieren, weder durch Parisromantik noch durch die Geduld seiner Frau. Holtrop dreht endgültig durch und wird in die Psychiatrie eingeliefert:

Am Tag der Wahl zu einem neuen Bundestag hatte Holtrop die von ihm geforderte Selbstvernichtungserklärung freiwillig unterschrieben, anders als Jenny Gröllmann, fünfhunderttausend Leute stünden seither Schlange, die von ihm erlassenen Tagesbefehle, egal ob im Neuen Deutschland publiziert oder in der alten Deutschen Allgemeinen, zu lesen und auch zu befolgen! Dieser Rückfall in die Manie wurde von Dr. Hayel mit der iterierenden Nachschockmethode behandelt, Insulin, Doxycyclin, Dexamethason und Methadon in streng iterierender Rollatur, keine zwei Wochen später war Holtrop wieder maniefrei. Im Folgezustand des Stupor periodicus wurde Holtrop dann Anfang Oktober als Liegendtransport von Tegernsee zur finalen Endtherapie nach Schloss Blüthnerhöhe verlegt und dort zunächst mit Hirnwäsche und Blutabsaugung erfolgreich stabilisiert. Die für die Rückkehr in den Alltag nach Ansicht des Blüthnerhöhechefs erforderliche Endzerstampfung der Patientenpersönlichkeit wurde in Gespräch- und Basteltherapiestunden auch am Patienten Holtrop so erfolgreich durchgeführt, dass eine Entlassung auf Probe nun also ärztlicherseits versucht werden konnte. (S. 302f.)

Das ist für mich in erster Linie mal allerhöchste Sprachkunst, lustig und schockierend im selben Moment. Man hat hier wirklich Mitleid mit Holtrop, den man 300 Seiten lang vor allem als selbstverliebten Vollidioten und intriganten Fiesling kennengelernt hat, wenn man ihn jetzt, nach erfolgter Persönlichkeitszerstampfung, in der psychiatrischen Bastelstunde sitzen sieht.

Natürlich ist das in der konkreten Darstellung übertrieben, aber ich glaube, einen gewissen Wahrheitskern hat die Idee, dass diese Managerkarrieren in der Wirtschaftswelt von heute, wo Menschlichkeit kein gültiges Kriterium und kein Maßstab mehr ist, ihren logischen Fluchtpunkt in der Psychiatrie haben. Dass die Mehrzahl der professionellen Literaturkritiker, die doch immer den Mangel an Welt- und speziell Arbeitsweltbezug in der Gegenwartsliteratur beklagen, dann den Holtrop aber doch als zu kühl und zu negativ ablehnten, bleibt mir unverständlich. Nächtlich arbeitende Putztrupps eröffnen und beschließen das Buch, auch das ein eindringliches Bild: das Heer der namenlosen Billigarbeiter, die nachts in denselben Räumen arbeiten, wie tags die irren Holtrops. Am Ende putzen sie die Kühlhalle der Rechtsmedizin aus, wo Holtrops Leiche liegt.

 

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8 Kommentare zu “Johann Holtrop: Eine Katastrophenchronik

  1. Eine Rezension mit Widmung! Herzlichen Dank!
    Hab heute Nacht schon mal schnell drüber gelesen, und versucht mir Holtrop vorzustellen
    Benutzt der Autor eigentlich auch direkte Rede?
    Und wenn ja, würde mich die Sprache Holtrops interessieren.
    Ich schaffe es nicht mir eine Vorstellung von dem Mann zu machen.
    Wie spricht er mit seinen Angestellten, wie ist er außerhalb der Firma?
    Würdest du das Buch unbedingt empfehlen, oder muss man andere Werke des Autors gelesen haben?

    • Bitte, gern geschehen. Direkte Rede wird schon verwendet, aber sehr sparsam, längere Dialogpassagen gibt es eher nicht. Wenn Holtrop spricht, dann meistens ganz kurz angebunden, im Befehlston: „Geben Sie her! Machen Sie schon! Was ist denn noch?“ So in dem Stil. Außerhalb der Firma wird er nicht gezeigt, es scheint kein außerhalb der Firma zu geben für ihn, außer dann nach seiner Entlassung, wo er mit dem ihm quasi unbekannten Privatleben dann ja auch gar nicht umgehen kann.
      Ich empfehle das Buch unbedingt, man muss nichts von Goetz gelesen haben vorher. Sehr empfehlenswert ist aber auch „Irre“, Goetz‘ erstes Buch. Zum Einhören in seinen ja schon sehr speziellen Sound bestimmt das geeignetste Buch.

  2. Ich habe mal gelesen, dass er in der Psychiatrie gearbeitet hat, als Arzt. Eine ideale Kombination, wenn zu gutem schriftstellerischem Gespür, der Fähigkeit zu portätieren auch nch fundierets Wissen kommt.
    Danke für die Empfehlung und überhaupt.

  3. Danke auch von mir, dass du diese Sachen so ausführlich, nachvollziehbar und auch emphatisch darstellst, wie es für so einen emphatischen Schriftsteller wie Goetz es sich auch ziemt. Obwohl ich den Roman nicht gelesen habe, möchte ich aber einmal den Bedenkenträger spielen: „Irre“ endet damit, dass der Erzähler ankündigt, sich die Kultur ins Hirn zu füllen. Jedenfalls so ähnlich. Dagegen spricht ja nichts. Die Begeisterung und Vehemenz mit der das angegangen wird, eher dafür. Nur habe ich bei mir ein kleines zurückschrecken bemerkt und bin dem Autor Goetz bisher auch eher fern geblieben: diese „Kultur“ ist ja nur auch wieder ein anderes Milieu, gegen welches die Irrenanstaltsumgebung eingetauscht wird. Klar reflektiert Goetz das usw., aber es ist in diesem Ton und Tun schon unmissverständlich, dass er im Herzen dieser Kultur ankommen will.
    Worauf ich damit hinauswill: Dass man große Teile dieser Gesellschaft, namentlich die Wirtschaft und Politik, für dysfunktional, inhuman-irr, etc. hält und portraitiert, mag ja nicht so weit hergeholt sein,… ABER warum zieht man dann in der Art des Kabaratts einen Holtrop am Nasenring durch die Manege, in den Dreck? Damit man sich im eigenen Milieu etwas wärmer, kuschliger und humaner fühle, während man weiter den Produkten entgegensehnt, die die so verabscheute Wirtschaftsform mit ihren globalen Megakonzernen uns verheißt?

    Tut mir leid, wenn das jetzt etwas grobschlächtig, holzschnittartig daherkommt. Weiß nicht, ob ich das einigermaßen ausdrücken konnte. Als Gegenlektüre könnte ich sonst das hier: http://www.begleitschreiben.net/rainald-goetz-johann-holtrop/ empfehlen, der hat den Roman wenigstens gelesen.

    • Ein interessanter Aspekt, Phorky. Ja, bestimmt gehört zur Arbeit des Schriftstellers immer auch das Opfern. Der Autor kann ja nur Genie sein, wenn es auch Idioten gibt, und nicht zu knapp! Man opfert also Idioten und spirituell Minderbemittelte, um selbst weiter oben auf der Leiter des Seins zu stehen zu kommen. Das ist definitiv nach einem Sprung durch den flammenden Reifen der Humanität eine Landung im Inhumanen. Dieses Mal der Inhumanität zeichnet aber die gesamte Romanliteratur aus. Oder? Wobei Goetz ja dezidiert eine Mitleidlosigkeitsästhetik verfolgt, wie mir scheint. Deswegen hat er sich dem Medienbetrieb zugewendet, dessen Gestalten in niemandes Einschätzung Anspruch auf allzu schonende Behandlung haben.

      • Bin mir nicht ganz sicher, ob ich mit der Mitleidlosigkeitsästhetik so ganz einverstanden bin. Aber auf jeden Fall wird in „Loslabern“, das ja eine Art Komplementärbuch zum Holtrop darstellt, der Kultur- und Medienbetrieb auch als ein von schwersten sozialen Gestörtheiten geprägtes Milieu beschrieben. Also so simpel ist der Goetz nicht gestrickt, dass er den Kulturbereich als kuschlige Gegenwelt zur Wirtschaft entwerfen würde.

      • Vielleicht ist die Frage, auf die Phorkys Einwand letztlich hinausläuft, diese: Wo bleiben die Resultate von 40 Jahren angestrengter Kritik der inzwischen jede Form gesellschaftlicher Praxis dominierenden Wirtschaft durch die Kultur? Wenn deren Protagonisten einen Notwendigkeitsbeweis liefern müssten, kann er dann in einer weiteren menschlichen Hohlform bestehen, die als extrem erfolgreich im ökonomischen Bereich vorgeführt wird? Läuft da nicht etwas leer, schlimmer noch: falsch? Ist nicht auch Goetz, wie er da großmächtig auf die Bühne des Deutschen Theaters stapft, allein mit dem Wort und 600 geladenen Gästen, um die Selbstdarstellerei des Johann Holtrop zu geißeln, eine Selbstkarikatur? Wenn der Verlag, in dem eine solche gesellschaftskritische Abrissarbeit erscheint, selbst des Abrisses oder wenigstens eines Neuaufbaus arg bedürftig erscheint, dann stellt sich doch die Frage, ob … usw.

      • Lieber Andreas, vielleicht liege ich wirklich daneben. Dass Goetz den Kulturbetrieb nicht schont, mag sein, aber er ist doch auch Turbo-Feuilletonist und Kulturemphatiker (und allein dafür möchte ich ihn schon mögen). Was ich anstoßen wollte war sozusagen eher, die Frage, ob sich mit der Verurteilung Holtrops so eine gewisse Zufriedenheit, eine Überlegenheitszuckung im Kulturwesen über die geist- und kulturlose Kreatur sich vielleicht nicht verhehlen kann?
        Du hast ja durchaus dargelegt, wie schön Goetz gewisse soziale Automatismen und Verhaltensmuster, auch Sprachmuster herausarbeite. Solche Analysen erkenne ich gerne an. Was der Dr. Forkjas nur vielleicht schon andeutet: Wenn uns dieser Neoliberalismus nun schon seit zwanzig Jahren in Grund und Boden kritisiert wird, und sich doch nix tut,.. sollte man das analytische Besteck da vielleicht nicht etwas schärfen und gleich das Fehlgehen unsrer Analysie mitanalysieren? Und stimmt es dann vielleicht nicht ganz, dass die Blase nun endlich geplatzt sei, und die ungedeckte Zockerei nun dadurch für jeden offenbar vor einem liege? Es liegt doch schon seit Jahrzehnten: diese Blasen kommen doch immer wieder – dot.com war doch auch schon, Immobilien in Spanien und Amerika – usw. Es wird doch immer wieder so weiter gemacht. Auch die Kultur hat ihre Hypes, ungedeckten Schecks und Blasen (nicht nur von Sloterdijk). Das liegt, so meine ich ein bisschen am monomanisch-mimetischen Wesen des Menschen; er ahmt nach und variiert wie man sich in seiner Umgebung verhält, er befüllt seinen Kopf, womit wir alle ihn befüllen: Schumacher, der neue Spike Jonze, Nobelpreisträgerliteratur, muss alles rinn, rinn…
        DAS gerade kann der Goetz doch so gut, glaube ich, und vielleicht hat er’s am Holtrop auch wieder gemacht, indem er sich und uns alle die Sprachmuster und den Jargon in die Birne haut, die so durch die Managerflure wehen.

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