περὶ τῶν κατηγορίων

Was Aristoteles in seiner Kategorienschrift noch eine Kategorie nannte, heißt heute ein Label. Durch Kategorisierung wollte Aristoteles dem wahren Wesen der Dinge näher kommen. Wir Heutigen wittern stattdessen hinter jedem Label sofort die Lüge. Wenn auf einem Buch vorne draufsteht „Roman“, dann schnüffeln die Suchhunde alle sofort los und spüren die autobiographischen Bezüge auf. Eine unendliche Befriedigung durchzuckt den Spürhund, wenn er aufzeigen kann, dass der angebliche Romanheld doch nur den Autor selbst darstellt. Soso, da hatte der selbsternannte Romancier wohl doch ein bisschen zuwenig Phantasie, um sich was ordentlich Phantastisches auszudenken.

Genau umgekehrt läuft es interessanterweise, wenn einer auf sein Buch vorne das Wort „Autobiographie“ draufschreibt. Dann rennen die Spürhunde nämlich auch sofort los, suchen diesmal aber nur nach den Fehlern, den Unaufrichtigkeiten, den Lügen und Selbstüberhöhungen. Kaum veröffentlicht Keith Richards seine Autobiographie, schon ruft Mick Jagger bei seinen Kumpels vom New Yorker an und kräht ins Telefon: Alles gelogen, so war das gar nicht.

Ich selber weiß recht wenig über die unendlich vielen Bücher, die ich alle noch nicht geschrieben habe, nur eins ist sicher: Kein Label und keine Kategorie kommt mir unter den Titel. Nicht mal „Quatsch mit Soße“ werde ich darunter schreiben, das muss sich der Leser dann einfach selber dazudenken, so geht nämlich Lesen, diese vergessene und verlernte Kunst.

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4 Kommentare zu “περὶ τῶν κατηγορίων

  1. Dazu J.D. Salinger: (der seine Leser im Gegensatz zum ganzen Medienrummel und Literaturbetriebsmist sehr ernst genommen hat): „Wenn es noch einen Amateur-Leser auf der Welt gibt – oder irgend jemanden, der einfach nur liest, um zu lesen -, so bitte ich ihn oder sie mit unaussprechlicher Zuneigung und Dankbarkeit, sich in die Widmung dieses Buches (es handelt sich um „Raise High the Roof Beam, Carpenters“ und „Seymour an Introduction“) mit meiner Frau und meinen zwei Kindern zu teilen.“

  2. Nachdem ich gestern auf einer seltsam uninspirierten Literaturveranstaltung im Brecht-Haus war, widme ich mich heute wieder dem Lesen (Laurence Sternes ‚Tristram Shandy‘, kein Roman und eben doch einer!), um eben dieser Kunst des Lesens wieder Auftrieb zu geben. In jedem Fall aber hast Du recht mit dem, was Du sagst, denn der Titel sollte eigentlich immer reichen, vor allem, da mit dem Label „Roman“ ja fürchterlich Schindluder getrieben wird, denn viele „Romane“ sind ja in Wirklichkeit Erzählungen oder Novellen oder Krankenberichte. Mein in Arbeit befindlicher Roman ist allerdings wirklich einer, da beißt die Maus kein‘ Faden ab, und wenn ich da als Autor vorkomme, dann nur als attraktive Nebenperson mit lockigem Haar.

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