Das Gespenst der Oper

Eigentlich müsste ich jetzt den Einkaufszettel für den morgigen finalen Weihnachtseinkauf schreiben, aber jetzt bewegt es mich gerade so, dass ich was anderes kurz hinschreiben muss.

Am Freitag war Clara das erste Mal in der Oper, mit dem Kinderladen in der Zauberflöte, Hannah war auch mit dabei, und ich vertrieb mir indessen mit Jakob die Zeit. Wir spielten mit Autos, fuhren dann auch mit dem echten Auto herum, was ihn final begeisterte, seine kleinkindliche Begeisterung steckte mich an und ich fand es plötzlich auch irre lustig, während des Fahrens immer Tut-Tuut zu schreien. Aber als die beiden aus der Oper zurückkamen mit glühenden Augen, singend, gestikulierend, begeistert beschreibend, was sie gesehen – da wusste ich doch, was ich versäumt hatte, korrigiere: ich wusste es nicht, da ich ja eben nicht mit in der Vorstellung gewesen war. Ich ahnte es nur und wäre gern mit dabei gewesen. Aber das Leben geht auch so weiter.

Aber eben gerade las ich bei Alban Herbst eine Kritik über den Rosenkavalier, den er vorgestern im Schillertheater gesehen hat, und für ebendiese Vorstellung hätte ich mir eigentlich ja auch eine Karte kaufen wollen und es aus reiner Vergesslichkeit heraus dann einfach vergessen und verschlunzt, vielleicht war unterbewusst auch Absicht mit im Spiel, denn ich habe diese Oper noch nie auf der Bühne gesehen, kenne dieses absolute Lieblingswerk nur von den Platten her, und es mag sein, dass ich im Grunde nur Angst habe, diesen Fetisch mir entweihen zu lassen durch eine schlechte Regie oder eine Marschallin, die das Wort von der „silbernen Rose“ nicht so perfekt selbstvergessen hinhauchen kann wie Regine Crespin auf meiner Platte.

Nachdem mir aber das reine Lesen von Herbsts Kritik echte Ergriffenheits-schauer über den Rücken jagte, wusste ich, ich muss da wieder hinein, in ein Opernhaus, so schnell wie möglich. Und erwarb eine Karte für den 11. Januar: Der Freischütz. Regie von Nikolaus Lehnhoff, der auch den ersten Ring inszeniert hat, den ich gesehen habe, damals in München. Das passt.

Einkaufszettel für morgen: Fleisch abholen – Sicherheitscheck: ja, Bestellzettel noch da – Petersilie, Schnittlauch, Ingwer, Champignons. Geht doch.

 

 

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