Anagnorisis

Heute begegnete ich meinem Onkel Bruno zum zweiten Mal in meinem Leben. Zuletzt hatte ich ihn auf der Beerdigung der Omama gesehen, da war ich noch ein Kind, und ich erinnere mich, wie ich beim Leichenschmaus meinen Blick nicht von seinen Händen abwenden konnte, die mir irgendwie grotesk verformt vorkamen. Und heute also hatte mein Cousin zu einem familiären Adventskaffee eingeladen und als mein Onkel Bruno zur Tür reinkam, da dachte ich mich trifft der Schlag, weil tatsächlich meine in einen Männerkörper transformierte Mutter vor mir stand. Ein Unbekannter eigentlich und doch meine Mutter, im ganzen Aussehen, in jeder Geste und in jedem Zucken des Mundwinkels. Und wieder saß ich also da, wie damals beim Leichenschmaus, und musste ihn anstarren wie ein Entgeisterter. Was mich aber endgültig irritierte: seine Hände sind völlig normal.

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