Ortlos

06.10.2012
Morgen wieder 700 Kilometer im Auto, heimwärts, nach Oberammergau. Während ich mir Hörspiele und Musik für die Fahrt brenne (Alexander Kluge, Peter Kurzeck; Muddy Waters, Bach), schaue ich nebenher zerstreut Wetten dass… Die Kulissenhaftigkeit ist jetzt in der Neuauflage noch dominierender geworden. Entweder wird die Bühne während der Show ständig umgebaut, oder es gibt ganz viele Rand- und Nebenbühnen: man weiß es nicht. Die Fernsehregie ist so verwirrend, das Ganze ist völlig ortlos. Die Promi-Runde, als einzig wiederkehrender Orientierungspunkt, sitzt mit dem Rücken zum Saalpublikum, welches dementsprechend unbeteiligt wirkt, weil es ja auch nur auf einen Monitor glotzt, wie der ganz normale Fernsehzuschauer auch. Dieser wiederum fühlt sich dem Publikum buchstäblich entgegengesetzt. Während früher Szenenbild und Regie so perfide suggestiv waren, dass man im Idealfall mit dem Saalpublikum verschmolz, sitzt man heute vor der Glotze und sieht dort ein Publikum frontal an, das gelangweilt über den Rücken einiger Prominenter hinweg auch nur in eine Glotze schaut. Die Überdrehung der Illusionsschraube ergibt letztlich nur Desillusionierung. Und schon ist die Sendung vorbei und vergessen. Ich freu mich auf daheim, mir graust es bloß vor der Fahrt.

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