Am See

Früh waren wir auf und schönes Wetter war. Zu schön eigentlich, schon am Morgen war sichtbar, dass im weiteren Verlauf des Tages unerträgliche Hitze sich einstellen würde. Für nachmittags war Gewitter angekündigt. Aus diesen Daten ergab sich zwingend der überstürzte Aufbruch zum Plötzensee, ohne noch großartig was zum Essen mitzunehmen, denn Pommes, so dachten wir, kann man ja immer kaufen in so einem Strandbad. Ich war zum ersten Mal da: Wasser herrlich, alles ideal. Fische und Libellen beobachtet, und gelb geflügelte Käfer, die über die Wiese schwirrten und von der Weite aussahen wie ferngesteuerte Blütenkelche.

Am frühen Mittag, als die Sonne langsam unerträglich wurde und die Wasserfreude erster Erschöpfung wich, erfasste uns alle der Hunger, die mitgebrachten Kohlrabi- und Gurkenstücke waren verzehrt. Aber am Kiosk gab es nur Kuchen (über meine Abneigung gegen Kuchen ein andermal) und die Grillstation hatte noch nicht offen. Was tun? Als ich noch so herumsinnierte, eilte Clara, die der Hunger am ärgsten plagte, mir voraus, und tatsächlich: da war noch ein anderes Fenster, aus dem offenbar Essen gereicht wurde, der Snack Point. Keine Speisekarte aushängend. Ich fragte also, was es gibt. Pizza oder Nudeln, war die Antwort. Aber Clara hatte sich schon in die fixe Idee einer Wurst mit Pommes verrannt. „Wurst haben wir auch“, sagte der Snack Point-Mann. „Was für Wurst?“, fragte ich. Wortlos griff er in eine Truhe und hielt mir eine tiefgefrorene Stange vors Gesicht, die alles hätte sein können, auch eine Wurst vielleicht. Ich bestellte das, um meine Tochter vor dem Verhungern zu retten. Ob es auch Pommes gäbe, fragte ich noch. „Nein. Keine Pommes. Ich verwende nur frische Produkte“, sagte er ganz ernsthaft und in perfekter Witzigmannpose, während er immer noch die fünfeckige Tiefkühlwurst in seiner Rechten hielt. Dann eben Pizza Margherita. War mir eh lieber.

Gegen zwei brauten sich die ersten schwarzen Wolken zusammen, ich schwamm nochmal, herrlich war es, im Wasser zu gleiten, dann heim. Und erst jetzt, zwanzig nach zehn, beginnt das hoffentlich befreiende Gewitter sich zu entladen. Man konnte kaum noch atmen zuletzt.

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