Die Nimmersatt-Galaxis

Ich habe das Lesen sehr früh gelernt, mit vier oder fünf, von meiner Großmutter, die mir geduldig immer wieder alle Buchstaben zeigte und ihre Lautung vorsagte. Und plötzlich, offenbarungsartig, musste ich die Buchstaben nicht mehr einzeln mühsam hintereinander wegsagen, sondern sah jedes Wort klar vor mir, auf einen Schlag, und es erklang in meinem Hirn. Eine Welt tat sich auf. Auch die Erkenntnis: Man muss nicht wissen, was eine Regierungserklärung ist, um das Wort „Regierungserklärung“ fehlerfrei lesen, also auch vorlesen zu können, und die Erwachsenen nicken erstaunt und sagen: Ja, er kanns wirklich. Eine Eigenschaft von Schrift, die mir immer wieder begegnet ist: Man kann auch ganze Bücher über das transzendentale Subjekt lesen und dann Seminararbeiten darüber schreiben und Einser dafür kriegen, obwohl man nicht die geringste Ahnung hat, was ein transzendentales Subjekt eigentlich sein soll und ob es das überhaupt wirklich gibt.

Meine Großmutter bekam dann Alzheimer, von null auf hundert, und meine Eltern lagen im Krieg, redeten nichts mehr miteinander, und ich ging ins Sommerhäusl hinterm Haus und las. Wer hatte das Ding eigentlich „Sommerhäusl“ genannt, es war das ganze Gegenteil davon: ein finsterer Schuppen, voller Gerümpel, staubig, dreckig, von Spinnweben durchzogen: Mein Traumort. Dort kroch ich unter, las meine verbotenen Buffalo-Bill-Hefte, war lesend in einer der Welt entgegengesetzten Gegenwelt.

Im Kindergarten las ich alle Bücher, die es dort gab, eins nach dem andern durch, und wenn ich fertig war, alle nochmal von vorn. Lesen war auch hier die perfekte Strategie, um dem Gestreite aus dem Weg zu gehen, dem Sandwerfen, Prügeln, Bauklotz auf den Kopf werfen. Und las, wie ich mich noch genau erinnere, dort eines Tages die Raupe Nimmersatt, und redete dann mit der Kindergärtnerin darüber. Sie wies mich auf die Löcher im Buch hin, und dass die Raupe also offenbar tatsächlich all die Erdbeeren und Pflaumen und Äpfel und Birnen gegessen haben müsse, weil da ja diese Löcher im Buch waren. Von der leibhaftigen Raupe selber hineingefressen, wie die Kindergärtnerin behauptete. Das brachte mich ins Grübeln. Wenn die Raupe Nimmersatt selber diese Löcher gefressen hätte, so dachte ich, dann hätte sie ja in Wirklichkeit gar nicht Erdbeeren und Pflaumen und Eiswaffeln und Früchtebrot gefressen, sondern immer nur den Pappkarton, aus dem das Buch besteht. Ein philosophischer Moment. Wenn die ganzen Früchte nicht real sind, dann ist womöglich auch die Raupe nicht real, und gerade die Löcher im Buch, die die Wahrhaftigkeit der ganzen Geschichte belegen und unterstreichen sollen, entlarven das Ganze im Umkehrschluss als Farce. Ich versuchte, diese Gedanken der Kindergärtnerin zu erklären, und sehe sie noch, wie sie meine philosophischen Gedanken wegwischend lachte: Ich selbst sei diese Raupe, ein Bücherwurm, eine Bücherraupe, die das Papier der Bücher frisst. Ich blieb ratlos zurück. Stürzte mich für die nächsten dreißig Jahre konsequent in Bücher, vollführte dieses mir vorgegebene Programm, Schrift war mir immer näher als das sogenannte Reale, und plötzlich wachst du auf, die Gutenberg-Galaxis ist untergegangen, und merkst: Ich war wirklich diese Raupe: Immer nur Papier gefressen und gedacht, es wären köstlichste Früchte.

Als das Sommerhäusl abgerissen wurde, hatte mir vorher auch keiner Bescheid gesagt. Plötzlich stand der Bagger da und das Sommerhäusl war weg und mit ihm meine dort versteckten Buffalo-Bill-Hefte. Da hätte ich das alles eigentlich schon wissen können, wie das läuft.

Entdecke England

Di, 5.8.14: Zum ersten Mal in meinem Leben fliege ich von Tegel, ich wusste noch nicht mal, dass dieser Flughafen den Beinamen „Otto Lilienthal“ führt. Ausnahmsweise mal eine sinnvolle Flughafenbenennung, wie ich sofort denke, als ich den Schriftzug sehe: ein Flugpionier, völlig einleuchtend, statt immer dieser idiotischen Politiker. Flug sehr ruckelig und rumpelig, in Heathrow muss man dann erstmal zehn Kilometer latschen bis zur Gepäckausgabe, Lord Lettuce holt uns dort ab, wir fahren zunächst in die Gegenrichtung, einmal um halb London herum, zu H.s Großeltern, die im Londoner Norden leben. Man sieht nichts von der Stadt, die wir umkreisen, plötzlich sind wir da, ein Häuschen mit Garten, könnte irgendwo in der Provinz sein, nichts weist darauf hin, dass wir im angeblich hektisch pulsierenden London uns befinden. Eine kleine U-Bahnfahrt nur, und wir wären drin in dem Gewühl, der Traumstadt meiner Jugend, aber wir sitzen im beschaulichen Gärtchen, essen Würstchen, der Großvater kredenzt Wein, haben es nett. Immer wieder für mich auch ein seltsamer Gedanke, dass diese reizenden alten Leute, die ich kaum kenne, mit denen ich mich in einer mir fremdem Sprache mehr schlecht als recht verständige, doch die leibhaftigen Urgroßeltern meiner Kinder sind. Bevor es zu spät wird, fahren wir wieder ab, jetzt auf der anderen Seite an London vorbei. Als wir die Themsebrücke überqueren, sehen wir die Stadt da liegen, waren drin und doch irgendwie auch nicht. Kinder schlafen im Auto, Ankunft in Camber, East Sussex, erst am späten Abend, ziemlich erschöpft, vor uns das Meer.

Mi, 6.8.14: Morgens Regen, extremer Wind den ganzen Tag. Zermürbende Monotonie des Meeres erfasst mich augenblicklich. Was macht man denn jetzt hier, zumal bei schlechtem Wetter? Die Aussicht, die Aussicht, sagen alle, aber ich sehe nur Wasser, und der Wind bläst mir so ins Gesicht, dass ich die Augen sowieso kaum aufkriege. Man kann nicht mal vernünftig rauchen, weil der Wind einem die Zigarette förmlich vor der Nase wegfrisst, weswegen ich Idiot einfach immer noch mehr rauche, den ganzen Tag auf der Terrasse im Wind stehe und mir unter grotesken Verrenkungen eine nach der anderen anzünde.

Do, 7.8.14: Schönes Wetter, früh morgens schon im Meer gebadet, später mit H. und den Kindern den Strand entlang spaziert bis zum Eiscafé. Herrlicher Sandstrand, erstaunlich, wie wenig hier los ist. Gegen 11 Aufbruch nach Dymchurch, zum Rummel, an den H., die als Kind jeden Sommer in England war, wertvolle Erinnerungen knüpft. Parken hinter einer vollkommen aus Beton gefertigten Strandpromenade, über die ich rätsle, ob sie als Strandpromenade wirklich gedacht und geplant war, oder ob es sich um Überreste einer Befestigungsanlage gegen eine mögliche Invasion der Deutschen im Zweiten Weltkrieg handelt? Ältere Türme stehen auch in gewissen Abständen herum, mit Kanonen bewehrt, von denen erzählen Schilder, dass sie gegen eine Invasion Napoleons errichtet wurden. Die grell weiß reflektierende Betonmauer trägt kein Schild, soviel ich sehe. Unten tummelt sich Badevolk. Ein Ort, der mich an die Fotografien von Martin Parr erinnert, die übertrieben ausgeleuchteten Strandperversitäten Englands. Der Rummel, wegen dem wir ja eigentlich hier sind, sehr lustig. Eine Art Mini-Oktoberfest für kleine Kinder, für die unsrigen also genau das Richtige, Geisterbahn, Wasserrutsche, Kinderkarrussell, die Kinder sind begeistert und H. verzückt in Erinnerungen: Nichts hat sich verändert seit 20 Jahren. Wir sind dann hungrig, brechen auf, holen uns Fish & Chips aus einem Imbiss, denn das muss man doch machen, wenn man in England am Meer ist: Fisch & Chips essen. Schmeckt auch köstlich. Verrückterweise schließen der Lord und die Seinigen sich uns nicht an, kleines Hin und Her, verstehe die Details nicht, wollen sie nicht, dass ihre Kinder Pommes essen? Im Pub, in das wir jetzt fahren, bekommen sie stattdessen tütenweise Chips (also Crisps) kredenzt, ok, ich muss auch nicht alles verstehen. In den Essensrhythmen liegen wir irgendwie nicht auf einer Wellenlänge mit den Engländern, das ist jetzt schon klar, geredet wird darüber aber nicht, man muss improvisieren. Das Pub (St. Mary in the Marsh) ist jedenfalls reizend, im absoluten Nichts gelegen, daneben eine kleine Kirche mit Friedhof, über den wir spazieren: Uralte Gräber, schief, Schrift teilweise gerade noch, teilweise überhaupt nicht mehr entzifferbar. Gräber ungepflegt, keine Bepflanzungen, einfach nur Gras vor dem Stein. Gefällt mir hundertmal besser als die deutsche Friedhofskultur mit ihrem Blümchenwahn. Alle sind ständig in Gedanken verstrickt, Gräber auflösen zu wollen, aus Angst, nach ihrem Ableben könne keiner sich mehr ums Grab kümmern, es turnusmäßig bepflanzen, und das wäre dann das Schlimmste. Meine Mutter liegt mir seit Jahren mit solcher Rede in den Ohren, und von ihrer Freundin B. hörte ich unlängst genau denselben Text. Als wären Gräber Zeichen für den Gärtnerfleiß der Lebenden, und nicht Gedenkmale für die Toten.

Nach zwei Pints in diesem Pub fahren wir auf dem Heimweg noch in Lydd zum Metzger, weil ich nächsten Tags Wiener Schnitzel machen will. Wie Lord Lettuce schon vorhergesagt hat, hat der kein Kalbfleisch, verrückt: Jeder Supermarkt in Deutschland hat Kalb, jeder Metzger sowieso. Aber egal, mache ich halt Schnitzel Wiener Art, Schwein wird er ja haben, pork bittesehr. Der Metzger präsentiert mir nun Schweinefilets, daraus kann ich logisch keine Schnitzel schneiden, wie sagt man nochmal „Oberschale“ auf englisch? Ich deute mit zwei Händen die Partie zwischen Popo und Knie an, Metzger lacht und liebt mich jetzt endgültig, bringt ein wundervolles Stück Fleisch, ideale Färbung und Maserung, perfekt, im Ganzen gekauft. Mache die Schnitzel dann noch am selben Tag, der Lord und ich hatten wieder aneinander vorbeigeredet, aber kein Problem, ich koche los, Panade wird abenteuerlich selbst hergestellt, Kartoffelsalat mache ich selbstverständlich bayrisch, mit Bouillon statt der vermaledeiten Mayonnaise, das kennen die auch nicht, schmeckt aber allen, voller Erfolg.

Fr, 8.8.14: Der Lord ist krank. Geplanter Ausflug nach Rye fällt flach. Stattdessen Tag am Haus, am Meer. Bisschen Strand, bisschen Wasser, bisschen Lesen (Kurt Vonnegut, Schlachthof 5). Erkunde zweimal das Dorf, aber auch beim zweiten Mal die Erkenntnis: Hier gibt es nichts und nichts geht. Kann nicht mal Bargeld aus dem Bankautomaten im Supermarkt, dem einzigen des Dorfes, ziehen. So stehe ich da mit meinen zehn Pfund: 4 Bier und eine Packung Frischkäse. Aber viel mehr hätte es da eh nicht gegeben. Toll eigentlich: Ein herrlicher Strand, wunderbar am Meer, Wasserqualität vom Feinsten, aber touristisch völlig unerschlossen. Keine vernünftigen Läden, keine Hotels, als Ausländer kriegt man noch nicht mal Bargeld aus dem Automaten.

Das Meer fasziniert mich jetzt doch. Studiere Ebbe und Flut, habe ich so auch noch nie erlebt. Während tagsüber das Meer ganz weit draußen war, ich ewig latschen musste, um hinzukommen, ist es jetzt ganz nah, schwappt beinah auf die Terrasse. Höre es rhythmisch rauschen, in der Ferne verschwimmt die Grenze zwischen Meer und Himmel, ist nicht mehr auszumachen in der Finsternis, alles eins. Auch sehe ich die Linien des Papiers nicht mehr, und die Meerluft hat das Papier so aufgeweicht, dass der Bleistift kaum noch schreibt. Den Computer habe ich noch keine Sekunde vermisst.

Sa, 9.8.14: Vormittags Fahrt nach Lydd, Großeinkauf bei Sainsbury’s. Normal okayer Supermarkt letztlich, hatte bisschen was spektakuläreres erwartet, Londoner Megamarkets in der Erinnerung. 1995, der Tesco in Elephant & Castle, schier endlose Gänge mit Lebensmitteln, uns quollen die Augen über, „Grotesco“ nannten wir den Markt nur. Vielleicht hat Deutschland in der Zwischenzeit da auch bloß aufgeholt, und die Erinnerung trügt. Mein Plan, einen Kasten Bier zu kaufen, löst sich in Luft auf, die Einheit „Kasten“ scheint hier unbekannt, der Lord greift scheinbar wahllos irgendwelche Einzelflaschen aus dem Regal, mir sagen alle diese Biere nichts, ich lasse ihn gewähren. Danach nochmal ein Mittagsbier in St. Mary in the Marsh, weil ich es da so schön fand. An der Bar exakt die selben Leute wie beim letzten Mal, rechts außen wieder der Bucklige. Worüber sie wohl immer reden, wenn sie sich täglich hier einfinden? Geht ihnen nie der Gesprächsstoff aus? Offenbar nicht, sie reden und reden, was ich wahrscheinlich nur deshalb bemerkenswert finde, weil ich kein Wort verstehe. Nur die Frau hinter der Bar ist eine andere, dem Aussehen nach die Mutter der Kellnerin vom letzten Mal.

Nachmittags Ausflug nach Rye, ein pittoreskes mittelalterliches Städtchen, auf einem Hügel gelegen. Fast zu pittoresk, wie die durchziehenden Japaner anzeigen, die alles abfotografieren. Wir sind mit dem Bus da, weil der Lord im Mermaid Inn Pints trinken will, was dann leider unmöglich, weil das Mermaid Inn gestruppte voll. Es sei sowieso nicht mehr so schön und alt wie früher, sagt er, und erinnert mich damit schlagartig an meinen Vater, der mich auch immer in irgendwelche Wirtshäuser schleppte, um dann drinnen zu bekunden, das sei auch nicht mehr so urig wie früher. Trinken ein Bier auf der Terrasse eines vollkommen unurigen Hotels, dann wird es eh zu windig und zu kalt, machen uns auf den Heimweg. Auf der Heimfahrt im Bus verstrickt mich ein älterer Herr ins Gespräch, befragt mich nach dem Wie und Wann und Wo unseres Urlaubs, zeigt mir dann Videos auf seinem Handy, vom Strand im Winter, alles völlig nichtssagend, man sieht nichts und hört auch kein Meeresbrausen sondern nur den das Handymikrofon heillos übersteuernden Wind. Bin nicht sicher, ob er bei klarem Verstand ist. H., die die Szene von drei Sitzreihen weiter hinten aus beobachtet, sagt später: Er war irre.

So, 10.8.14: Sunday Lunch. Im Netz wird emsig recherchiert, wo man das am besten einnehmen könnte, alle sitzen vor ihren Tablets, iPhones, Laptops, rufen Speisekartendetails durcheinander. Als die engere Auswahl feststeht, entscheide ich fürs „The Bell“. Wir fahren hin, der große Sturm kündigt sich schon an, Regen und sehr windig. Die Vorspeise, Pilze im Filoteig, mit roten Zwiebeln und einer Blue-Cheese-Cream-Soße, lässt alles erhoffen, schmeckt wahnsinnig gut, der Koch offenkundig ein Genie, meine blinde Restaurant-Auswahl die ideale. Der Hauptgang ist dann leider doch die normale und zurecht verschrieene englische Traditionsküche. Lammkeule zäh und fasrig, Yorkshire Pudding ein völlig geschmackloser und halbverbrannter Mehlknödel, dessen Sinn mir völlig verschlossen bleibt, Gemüsebeilagen schmecken ebenfalls nach nichts. Helen spinnt total auf die Minzsoße ab, ohne die sie kein Lamm essen könne, was mir entgegen kommt, da mir der minzige Zahnpastageschmack völlig gegen den Strich geht. Ich überlasse ihr das Schälchen gerne. Abends Sturm.

Mo, 11.8.14: Nach und nach trudelt die ganze englische Verwandtschaft ein. Alle reden durcheinander, für mich ein fast unerträglicher Sprachlärm, kann fast nichts verstehen. Gottseidank will auch keiner von mir groß was wissen, muss kaum sprechen, und gehe doch unter in diesem Durcheinandergerede, halte diesen Sirenengesang der englischen Sprache, die mir immer eine Oktave höher vorkommt als das Deutsche, fast nicht mehr aus. Als abends die Letzten gehen, sinke ich bewusstlos ins Bett.

Di, 12.8.14: Dungeness. Einer der seltsamsten Orte, die ich je sah. Eine Art Steinwüste, als Naturschutzgebiet ausgezeichnet, in der wahllos verstreut Ferienhäuser herumstehen, zerfallene Schiffswracks, ein alter Leuchtturm, direkt dahinter ein Atomkraftwerk und daneben der Bahnhof einer Mini-Dampfeisenbahn, mit der wir fahren wollen. Als ich die winzigen Gleise sehe, habe ich Zweifel, ob diese Bahn wirklich erwachsene Menschen transportieren kann, sieht aus wie eine nur ein klein bisschen zu groß geratene Spielzeugbahn. Der Schaffner im weißen Hemd und schwarzer Hose, bestimmt über Siebzig, die oberen Schneidezähne fehlen ihm, kontrolliert am Bahnsteig meinen Fahrschein, fragt mich direkt, woher ich komme: „Ah, Germany, I went there many years ago.“ Was ich von Stuttgart halte? Ich zucke die Achseln. „Well, the Stuttgart Chamber Orchestra did some remarkable Bach“, soweit er sich erinnere, woher genau ich denn sei. „Originally from Bavaria, but now we live in Berlin“, erwidere ich. Er schmeißt direkt beide Arme in die Luft: „Ah, the Berlin Philharmonics, impossible to beat them. Karajan, Klemperer, Knappertsbusch!“ – „And Furtwängler“, sage ich, woraufhin er sofort: „Of course, Furtwängler, his Tristan of 1952, best recording of all times!“ Bin immer noch völlig perplex, hier an einer Kinderbahnstation, eine Steinwurfweite vom Atomkraftwerk entfernt, mich plötzlich mit einem englischen Schaffner in ein Gespräch über deutsche Dirigenten der fünfziger Jahre verstrickt zu finden, aber kann ihm natürlich nur beipflichten: Furtwänglers Tristan, auch meiner Meinung nach die beste Aufnahme der Oper bis heute. „There´s a story about Knappertsbusch“, hebt er jetzt an: „He didn´t like to repeat.“ Ich ahne schon, worauf die Geschichte hinaus will, glaube die Anekdote zu kennen, bin dennoch auf seine Version der Geschichte gespannt, da wird er abberufen zum Bahndienst, und ich hätte ihm doch gerne noch meine Knappertsbuschgeschichte erzählt, von der Taube und der Schnur, Parsifal 51 in Bayreuth. Aber er kommt nicht wieder, dann fährt die Dampfbahn ein und wir mit ihr nach Dymchurch, noch einmal auf den Rummel, was sich die Kinder so dringlich gewünscht hatten, noch einmal großer Spaß mit Geisterbahn, Wasserrutsche, Drehkarussell und final sogar Autoscooter. Mein Wahn, im linksverkehrten England absolut kein Auto fahren zu können, lässt mich erst zögern, dann steige ich doch ein und fahre mit C. eine Runde: Lustig.

Im Pub später, gehe an die Bar zum bestellen, Kellnerin noch nicht da, links von mir ein seltsames Männchen mit einem grotesken Lederhelm, das ununterbrochen auf den Mann rechts von mir einredet. Ich verstehe absolut nichts von dem, was er sagt, registriere nur, dass immer wieder die Worte „german“ und „Germany“ in seiner Rede auftauchen. Da ich die Worte nicht verstehen kann, muss ich die Melodie seiner Rede interpretieren: Klingt nicht sehr freundlich. Der Bärtige rechts von mir, der sich das stoisch alles angehört hat, repliziert nur in tiefstem Bass: „I’m not german.“ Ich hab in dieser Runde noch kein Wort gesagt, die beiden beachten mich gar nicht, bin bloß zufällig Deutscher, jetzt kommt die Kellnerin, normalerweise versuche ich ja nicht, meinen deutschen Akzent zu verbergen, jetzt will ich doch besonders britisch klingen mit meiner Bestellung. Vollkommen blöd natürlich, wie mir auch bewusst ist, aber ich will in kein Gespräch mit dem Lederkappenheini geraten, in dem ich unterliegen muss, weil ich seinen verrückten Dialekt nicht verstehe. Hinterm Pub ist ein Spielplatz, die Kinder rutschen und klettern, die Sonne scheint, man könnte noch bleiben. Sage zu H., dass sie aber das zweite Bier holen müsse, weil ich nicht noch einmal zum Lederkappenmann hinein will, dann begegne ich ihm logischerweise auf dem Klo, wo er mich so totschwallt in einem Englisch, das ich wirklich absolut nicht verstehe, dass ich schließlich doch sagen muss, um nicht als totaler Depp dazustehen: „I don’t understand you, my english is not so good.“ Woraufhin er sofort: „So you’re german!“ Immer noch an der Pissrinne neben ihm stehend, sage ich: „Yes. I’m german.“ Worauf er in ein groteskes Kichern ausbricht, und immer wieder ruft: „Aouiedersehn, aouiedersehn!“ Mich schüttelts innerlich, die Toilette ist so eng, er hat wirklich die Ausstrahlung eines teuflischen Giftzwergs und das Klo hallt von seinem Gekreisch wider. „Auf Wiedersehen“, sage ich im Hinauseilen, scheiß aufs Händewaschen, und hoffe, ihn nie wiederzusehen, wie das ja oft so ist. Heimfahrt im Bus, wo J. mir schlafend auf den Schoß sinkt. „Wo sind denn diese Englischen?“ fragt er, als wir im Haus ankommen. Die kommen dann später auch, als er schon schläft.

Mi, 13.8.14: Nochmal alle nach Dungeness. Man kann die Kreidefelsen von Dover sehen von hier aus. Und wenn ich an Dover denke, denke ich automatisch an zwei Dinge: Ochses Umzug nach London und unsre Überfahrt von Calais nach Dover, und an den Lear, Thomas Holtzmann als der blinde Gloucester, der die Klippe hinab stürzen will und es nicht kann. Später nochmal im Meer, jetzt endlich wirklich mal perfektes Wetter dafür, schönes Baden, am letzten Tag will man alles immer festhalten, den ganzen Sommer am besten.

Do, 14.8.14: Früh los richtung Heathrow. Sehe von der Straße aus das Park Inn Hotel, wo ich vor fast vier Jahren notgedrungen übernachten musste, weil wegen fünf Schneeflocken mein Flug nicht ging, und ich dann morgens, in diesem luxuriösen Hotelbett erwachend per SMS erfuhr, dass J. in der Welt. („Muss immer kotzen. Glaube bin schwanger.“) Und derselbe J. sitzt jetzt ganz selbstverständlich da in der Abflughalle und wartet auf seinen Flug nach Tegel, der diesmal plangemäß abgeht. In Tegel stolpert man dann fast automatisch durch Passkontrolle zur Gepäckausgabe, nur wenige Meter und man steht am Bus. Was für ein genialer Flughafen, warum will man denn den aufgeben, verstehe ich überhaupt nicht. Aber typisch Berlin natürlich: Da hat man einmal was, das funktioniert, und dann will man es gleich wieder loswerden, ersetzen durch etwas Monumentaleres, der alte Gigantismus, und siehe da: Das funktioniert ums Verrecken nicht. Otto Lilienthal forever!

Fr, 15.8.14: Erst mal Milch kaufen.

Wirklich

Sitze mit den Kindern im Eiscafé, schon leicht genervt, weil ich eigentlich gar kein Eis wollte, auch das Wetter ist ja gar nicht danach, und C. redet ununterbrochen auf mich ein und J. kreischt, weil irgendwas an seinem Eis ihm nicht passt, ich aber nicht verstehe, was um Himmels willen denn das Problem sein soll, als plötzlich eine alte Frau, bucklig, auf zwei Krücken gestützt, neben unserem Tisch steht. „Macht der Papa wieder nicht, was er soll?“, fragt sie. Die hat mir jetzt grade noch gefehlt. Da J. nur fragend in die Gegend schaut, wendet sie sich an C.: Ob das Eis gut schmecke? Bei ihr ist sie an der richtigen Adresse: Ja, das Eis schmecke köstlich, außerdem sei sie fünf Jahre alt und komme diesen Sommer in die Schule. – Ah, wie schön, sie sei auch in der Schule gewesen, habe immer gute Zeugnisse gehabt und danach auch einen Beruf erlernt. – Einen Beruf wolle sie lieber nicht lernen, erwidert C., dann habe sie ja gar keine Zeit mehr für all die andern Dinge, die man so machen könne im Leben, immer nur Beruf, Beruf, Beruf. – Die Frau lacht, ein paar Sachen habe sie schon erlebt, trotz Beruf, sei sogar zur See gefahren usw. Mir gefällt jetzt, wie die beiden sich unterhalten, wie die Alte das Kind ernst nimmt und mit ihr redet, ohne augenzwinkernde Seitenblicke zu mir rüber, völlig auf Augenhöhe irgendwie, als sie sich unvermittelt plötzlich doch mir zuwendet: Zu der Zeit sei sie im KZ gewesen. Ich bringe nichts heraus, bin völlig vor den Kopf gestoßen, presse mühsam ein „Wirklich?“ hervor. „Ja“, sagt sie, „in dem Alter, im KZ, hier in Sachsenhausen“, und macht eine deutende Handbewegung, als läge das wirklich direkt hier um die nächste Straßenecke. Mir schnürt es innerlich alles zu, ich kann nichts sagen, die Zunge versteinert. Vielleicht bemerkt sie meine Beklommenheit, sie wechselt das Thema, wendet sich jetzt noch einmal J. zu, was für schöne blaue Augen er habe. Ich bin so verwirrt, dass ich erst gar nicht richtig verstehe. „Blaue Augen zum Verlieben“, wiederholt sie, verabschiedet sich, und ist auf ihren zwei Krücken so schnell ums Eck, wie sie aufgetaucht war.

Schirrmacher

Die Nachricht vom Tod Schirrmachers traf mich völlig unvermittelt. Ich lag mit 39° Fieber im Bett und las den Tweet: „Zum Tod von Frank Schirrmacher“ und war mir völlig sicher, mich verlesen zu haben, dass da eigentlich doch sicher stehen müsse „Zum Tod von XY, von Frank Schirrmacher“. Naja, trotz Fieber: ich hatte mich nicht verlesen.

In meiner Jugend in den Achtzigern und frühen Neunzigern galt die FAZ als ganz rechtsaußen. Selbst mein CSU-wählender Vater las neben dem Garmischer Lokalblatt nur die Süddeutsche, nicht die Frankfurter. Erst um die Jahrtausendwende kam es mir überhaupt in den Sinn, auch mal die FAZ zu lesen, und das lag an nichts anderem als am Feuilleton, das hier plötzlich viel mehr war, als eine bloße Aneinanderreihung von Buch-, Theater- und Ausstellungsbesprechungen. Plötzlich war das eine reichhaltige Fundgrube für allerlei abseitiges Zeug, hochinteressante Dinge, von denen man noch nie gehört hatte, von denen man aber sofort mehr wissen wollte. Links oder Rechts, Hochkultur oder Populärkultur – es war nicht so, dass die Grenzen zwischen derlei Kategorien poröser, die Übergänge fließender wurden. Es machte vielmehr überhaupt keinen Sinn mehr, sich in solchen beengenden Koordinatensystemen überhaupt noch zu positionieren. Vielleicht war das auch einfach der Zeitgeist dieser beginnenden Nullerjahre, aber in Schirrmachers FAZ-Feuilleton fand er für mich seinen besten Ausdruck. Eine Freude an unideologischem, dafür umso ernsthafterem Nachdenken, und eine Neugier auf Dinge abseits des Mainstream. Dass gerade er das Thema der Digitalisierung der Welt als etwas erkannte, das ins Feuilleton gehört und nicht nur zu „Technik & Motor“, etwas, das mit den Mitteln der Kulturkritik analysiert und beleuchtet werden müsse, erscheint da völlig logisch.

Ich habe Schirrmacher nur einmal live erlebt, auf dieser Netzkulturkonferenz letztes Jahr. Sein Vortrag war der beste, fundierteste der ganzen Veranstaltung, aber in der Erinnerung blieb mir vor allem, wie er nach Vortrag und Podiumsdiskussion nach draußen eilte und dort sofort das Gespräch mit demjenigen suchte, der ihm in der Diskussion am heftigsten widersprochen hatte: dem Herrn Urbach. Da wären reihenweise wichtigere, prominentere Menschen dagewesen, aber Schirrmacher wollte das mit dem Urbach noch weiter diskutieren. Ich beobachtete die Szene aus ein paar Schritten Entfernung, wie sie da standen, der FAZ-Herausgeber und der Computerer mit dem blaugefärbten Iro, und wie Schirrmacher mehrfach sagte, Urbach solle darüber doch einen Artikel schreiben. Diese vorurteilslose, vollkommen dünkelfreie Offenheit, das echte Interesse an einer anderen Meinung – das hat mir damals sehr imponiert.

Schreiben

Omamas Geburtstag. 115 Jahre würde sie heute. Gedachte ihrer mit Dankbarkeit. Die hat auch viel geschrieben, ihr Leben lang: Geschichten, selbst ausgedachte Märchen für uns Enkel, Fragmente, keine Ahnung was eigentlich. Stöße von schreibmaschinenbeschriebenen Blättern sehe ich in der Erinnerung. Wie wenig davon übrig geblieben ist. Alles verteilt, zerstreut, verloren. Gelesen von niemandem mehr. Vormittags beim Panneflicker im Prenzlauerberg gewesen. Seltsam beklemmende Künstlichkeit dort, auf der Oderberger Straße: Die scheinbar improvisierten Cafés und das total arrivierte Publikum beim Brunch. Die wahnsinnig wohlerzogenen Kinder auf dem Spielplatz, dass einem die eigenen überdrehten Spinner gleich ganz peinlich werden, wie sie mit Schimpfwörtern um sich werfen und die andern Kinder dissen. Zu H. an der Schaukel aus einem Augenblicksimpuls heraus gesagt, dass ich wohl aufhören werde zu bloggen, plötzlich nicht mehr wisse, warum ich das überhaupt mache. Mach halt eine Pause, sagte sie. Ja, mach ich halt mal eine Pause, bis mir wieder einfällt, warum mir das mal Spaß gemacht hat, oder auch nicht. Mal sehen.

Unbekannte Fotografen

Ein Fotograf, der keine Fotos macht, natürlich faszinierte mich das sofort. Er widersprach mir aber: Nein, nein, hin und wieder fotografiere er schon auch selbst etwas mit seinem Smartphone. Aber hauptsächlich sammelt er die Fotos anderer, unbekannter, zumeist wohl toter Leute. Geht auf Flohmärkte und kauft Fotoalben. Farbfotos seien ihm lieber als Schwarzweiße, auch seien die billiger, die Farben im Lauf der Jahre schon verändert, verblasst, vieles gleitet in Richtung Lila ab. Ich besah sein Archiv. Er nimmt die Fotos aus den Alben und sortiert sie nach wiederkehrenden Motiven. Hier zum Beispiel Möwen, sagte er, und zeigte mir einen Briefumschlag mit lauter Möwenfotos. Oder Regenbögen, Gipfelkreuze, Wolken und Menschen. Dann sitzt er tagelang da und schiebt diese Fotos unter- und übereinander, auf der Suche nach Entsprechungen, geometrischen Fortführungen, formalen Ergänzungen. Manchmal, so sagte er mir, werde er fast wahnsinnig dabei. In all diesen Fotos sehe er eine wahnsinnige Leichtigkeit, der Wunsch des Menschen zu fliegen sei überall sichtbar, immer sei da ein Himmel und alles strebe dort hinauf. Wie uninteressant diese vergilbten Amateurfotos auch auf den ersten Blick aussähen, so sei das doch einmal jemandem wichtig gewesen, sonst hätte er es ja nicht fotografiert, nicht in ein Album geklebt. Noch das banalste Foto sei ein Fingerzeig: Schau mal hier! Und letztlich zeige alles hinauf, in den Himmel, Urmetapher für Transzendenz.

Unknown Photographers #32, (c) Andrés Galeano

Unknown Photographers #32, (c) Andrés Galeano

Ich hätte noch länger mit ihm reden wollen, musste aber weiter, er begleitete mich die Treppe hinab und auf die Straße. Ob es ihm in Berlin gefalle, fragte ich ihn beim Abschied, ob er hier länger bleiben wolle? Nein, noch drei Monate, dann sei er weg, sagte er und deutete nach oben in die öde, gräulich dahingezogene Wolkendecke: Der Himmel hier sei nichts für ihn. Mein Himmel ist das auch nicht, dachte ich, winkte ihm nach, wie er die Straße lang lief, und wandte mich zu den Meinen, die schon an der anderen Ecke warteten.

Zonen und Perioden

Hinter dem nächstbesten Schalter kann unser Henker auftauchen. Heut stellt er uns einen eingeschriebenen Brief und morgen das Todesurteil zu. Heut locht er uns die Fahrkarte und morgen den Hinterkopf. Beides vollzieht er mit derselben Pedanterie, dem gleichen Pflichtgefühl. Wer das nicht bereits in den Bahnhofshallen und im Keep smiling der Verkäuferinnen sieht, geht wie ein Farbenblinder durch unsere Welt. Sie hat nicht allein fürchterliche Zonen und Perioden, sondern sie ist von Grund auf fürchterlich.“ (Ernst Jünger, Strahlungen II, 23. Mai 1945)

In meiner Kindheit, wie behütet auch immer sie gewesen sein mag, war die Drohung dieser vollkommenen Fürchterlichkeit der Welt noch präsent. In der Grundschule lernten wir, Feueralarm, Fliegeralarm und Atomalarm zu unterscheiden. Bei Atomalarm unter dem Schulpult verkriechen, lautete die Anweisung, und die Lehrerin, die uns dies beibrachte, fügte leise und mehr für sich noch an: „Bei Atomalarm ist eh schon alles wurscht.“ Der Ochsendampf, vielfach verwundeter Weltkriegsveteran, bestätigte dies: Der Ausgang des Dritten Weltkriegs könne uns völlig egal sein, denn die erste Atombombe falle sowieso auf Deutschland, wir seien vom ersten Tag dieses Krieges an weg vom Fenster, ausgelöscht, alle tot, den Rest würden die Amis und die Russen dann unter sich auskarteln, aber das sei ihm dann schon lange wurscht, sagte er, und ich höre ihn noch lachen.

Gleichzeitig herrschte völlig paradoxerweise das Bewusstsein, man lebe in einer schönen und friedvollen Periode und Zone der Weltgeschichte. Im nahen Osten mochte der Iran-Irak-Krieg toben, in Afrika undurchschaubare Bürgerkriege mit Hunger- und Elendsfolgen. Aber uns ging es doch gut. Iss auf, in Äthiopien verhungern die Kinder! Und als dann auch noch die Mauer fiel, schien die Herstellung des Weltfriedens sich quasi vor unseren Augen zu ereignen, ich glaubte das damals wirklich für kurze Zeit: Jetzt bricht das Goldene Zeitalter an, der Weltfriede, es schien mir logisch. Wenige Jahre zuvor hatte ich täglich meinen Tod erwartet, weil ich im Nieselregen stehend Sauerampfer gegessen hatte und kurz darauf hatte es geheißen, alles sei verseucht, verstrahlt, der Regen ein tödlicher Giftregen: Tschernobyl.

Und heute? Immer noch leben wir in der Illusion, hier auf einer von Stürmen umtobten Insel der Seligen leben zu dürfen. Aber wenn man aufs große Ganze schaut: Russland zeigt Zähne und expandiert wieder nach Westen. Der deutsche Ex-Kanzler Schröder busselt seinen Kumpel Putin dennoch ab, feiert mit ihm Geburtstag und findet das alles hochokay. Die USA betreiben auch nach fünf Jahren unter einem demokratischen Friedensnobelpreisträgerpräsidenten weiter das Folterlager in Guantanamo, sowie einen totalen Überwachungsapparat, von dem Hitler und Stalin in ihren schlaflosen Nächten geträumt haben dürften. Von der stillschweigenden Aushöhlung der Demokratie und rechtsstaatlicher Prinzipien ist in letzter Zeit immer wieder zu lesen, aber dass die Aushöhler und Abschaffer weiterhin auf Atombomben sitzen, erwähnt kaum jemand. Solange es uns gut geht, ist doch alles noch okay, scheint der Tenor.

Vielleicht habe ich mich in letzter Zeit auch etwas zuviel mit Weltkriegen und Weltkatastrophen beschäftigt, aber ich sehe das alles etwas düsterer, tendiere dazu, Jünger recht zu geben: Es gibt keine Zonen und Perioden: Es ist alles von Grund auf fürchterlich.